Biomarker für Weizensensitivität identifiziert

Reagieren Patienten mit unspezifischen Symptomen auf den Verzehr glutenhaltiger Getreidearten, wird bei ihnen nach Ausschluss einer Zöliakie bzw. Weizenallergie i. d. R. eine Weizensensitivität diagnostiziert. Bisher ist jedoch relativ wenig über dieses Krankheitsbild bekannt. Die amerikanisch-italienische Forschergruppe um Uhde et al. untersuchte daher mögliche Biomarker für Weizensensitivität sowie deren Veränderung nach einer glutenfreien Diät.

Für die Studie wurden 80 Probanden mit Weizensensitivität Blutproben entnommen. Zum Zeitpunkt der Blutabnahme ernährte die diese Studiengruppe glutenhaltig. Diese Blutproben wurden mit denen von 40 Probanden mit Zöliakie sowie mit 40 gesunden Personen verglichen. In der Analyse der Proben auf Antikörper gegen das Weizenprotein Gliadin zeigte sich, dass die Werte für die IgG- sowie IgA-Antikörper bei Probanden mit Weizensensitivität oder Zöliakie im Vergleich mit der gesunden Kontrollgruppe signifikant erhöht waren. Probanden mit Weizensensitivität wiesen zudem einen höheren Spiegel an IgM-Antikörpern gegen Gliadin auf. Bezüglich der Gehalte an lipopolysaccharidbindendem Protein (LBP) und CD14-Glykoprotein, die auf die Immunantwort gegen Bakterien spezialisiert sind, wurden bei einer Weizensensitivität signifikant höhere Blutwerte als bei Zöliakie bzw. gesunden Probanden gemessen. Die IgM-Antikörper gegen Bakterien waren ebenso signifikant erhöht. Der Gehalt an fettsäurebindendem Protein 2, einem Marker für akute Schäden im Darmepithel, war bei den Probanden mit Weizensensitivität im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe auch signifikant erhöht. Zusätzlich wurden bei einer Subgruppe von 20 Personen mit Weizensensitivität alle Messungen nach 6 Monaten unter glutenfreier Diät wiederholt. Es kam zu signifikanten Reduzierungen der Gehalte an LBP, CD14-Glykoprotein, Antikörpern gegen Bakterien bzw. Gliadin sowie fettsäurebindendem Protein 2.

Zusammenfassend beobachteten die Wissenschaftler bei Probanden mit Weizensensitivität einen erhöhten Spiegel an LBP, CD14-Glykoprotein sowie IgM-Antikörpern und damit eine signifikant verstärkte Immunantwort gegen Bakterien. Da diese Werte darüber hinaus positiv mit höheren Gehalten an fettsäurebindendem Protein 2 korrelierten, vermutet die Forschergruppe einen Zusammenhang zwischen der Immunantwort auf bakterielle Komponenten und Darmepithelschäden. Zudem konnte eine verstärkte Antikörperbildung gegen Gliadin festgestellt werden.

Dass die Befunde im Zusammenhang mit dem Glutenverzehr stehen, sehen die Forscher durch die Normalisierung der identifizierten Marker unter glutenfreier Ernährung bestätigt. Die Wissenschaftler bewerten ihre Studienergebnisse insgesamt als einen wichtigen Schritt zur Entwicklung eines Diagnosemarkers. Die Diagnosemöglichkeiten für Weizensensitivität sowie mögliche Krankheitsmechanismen sollen nun anhand dieser Kombination der untersuchten Biomarker in Folgestudien erforscht werden.

 

 

Quelle:
Intestinal cell damage and systemic immune activation in individuals reporting sensitivity to wheat in the absence of coeliac disease
Melanie Uhde, Mary Ajamian, Giacomo Caio, Roberto De Giorgio, Alyssa Indart, Peter H Green, Elizabeth C Verna, Umberto Volta, Armin Alaedini
Gut. 2016 Jul 25, doi:10.1136/gutjnl-2016-311964