Früher Glutenkontakt senkt Zöliakie Erkrankungsrate nicht

Bisherige Studien weisen bereits darauf hin, dass das Alter des ersten Glutenkontaktes für die Entstehung von Zöliakie entscheidend sein kann. So könne einigen Studienergebnissen nach zu urteilen beispielsweise das Zöliakie-Risiko verringert werden, wenn der erste Glutenkontakt noch während der Stillzeit erfolgt.

Heutige Empfehlungen legen den ersten Glutenkontakt während der Stillzeit zwischen vier und sechs Monaten nahe. Eine konkrete Richtlinie gibt es hierzu aber nicht, da bislang nur wenige und vor allem nur kurz angelegte Studien zu dieser Empfehlung durchgeführt wurden.

Eine aktuelle Studie hat nun den Zusammenhang zwischen der ersten Glutenexposition und der Zöliakie-Erkrankungsrate über einen Zeitraum von 5 Jahren untersucht. Im Rahmen der TEDDY-Studie wurden 6.436 genetisch prädisponierte Kinder aus Finnland, Schweden, Deutschland und den USA beobachtet.

Im Mittel erfolgte der erste Glutenverzehr im Alter von sechs Monaten, bei dem allgemeinen Vergleich gab es dennoch länderspezifische Unterschiede. Kinder aus Schweden nahmen beispielsweise früher Gluten mit ihrer Nahrung auf als Kinder aus Finnland, Deutschland und den USA.

Innerhalb der Beobachtungsperiode von fünf Jahren zeigten 773 Kinder (12 %) positive Befunde auf Antikörper gegen die Gewebetransglutaminase (tTGA) und 307 Kinder (5 %) entwickelten eine Zöliakie.

Zur Überprüfung der aktuellen Empfehlungen teilten die Wissenschaftler die Kinder in drei Gruppen ein. Bei den Kindern der ersten Gruppe wurde der glutenreiche Ernährungsstil bereits vor der 17. Lebenswoche eingeführt. In der zweiten Gruppe erfolgte der erste Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln erst im Alter von über 26 Wochen. Die dritte Gruppe fungierte als Kontrollgruppe und setzte sich aus Kindern zusammen, die zwischen der 17. und 26. Lebenswoche den ersten Kontakt mit Gluten hatten. Zwischen allen drei Gruppen konnten die Wissenschaftler jedoch keinen Unterschied der Erkrankungsraten finden.

Darüber hinaus ermittelten die Wissenschaftler auch, inwieweit das Stillen während der ersten Glutenexposition die Erkrankungsrate beeinflusst. Hierzu wurden Daten von Kindern, die mehr als einen Monat lang nach dem ersten Kontakt noch gestillt wurden, mit jenen verglichen, die nur noch weniger als einen Monat danach mit Muttermilch versorgt wurden. Die Wahrscheinlichkeit eines positiven serologischen Befundes für Antikörper gegen Gewebetransglutaminase war bei einer anschließenden Stillzeit von mehr als einem Monat höher. Eine Zunahme an Zöliakie Erkrankungen konnte für diese Kinder jedoch nicht festgestellt werden.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass Kinder aus Schweden im Vergleich zu Kindern aus den USA ein zweifach höheres Risiko aufwiesen, an Zöliakie zu erkranken. Als möglichen Grund vermuten die Wissenschaftler jedoch eine allgemein höhere Aufnahme von Gluten mit der Nahrung und nicht das Alter der ersten Glutenexposition.

Insgesamt konnten die Ergebnisse der Studie keine konkreten Hinweise dazu liefern, dass der Zeitpunkt der ersten Glutenexposition Einfluss auf die Erkrankungsrate hat. Ob die Menge an aufgenommenem Gluten eine Rolle spielt, ist in weiterführenden Studien genauer zu erforschen.

 

Quelle: C. A. Aronsson et al.: Age at Gluten Introduction and Risk of Celiac Disease, Pedriatics, Februar 2015, Volume 135, Nummer 2, DOI: 10.1542/peds.2014-1787