Lebensmittelallergien und ihr Einfluss auf die Psyche

Rund 5 Prozent der Kinder aus Industrieländern leiden heutzutage an einer Lebensmittelallergie. Neben den gesundheitlichen Auswirkungen geht oftmals auch eine emotionale Belastung mit dem Allergieleiden einher. Im Rahmen einer kanadischen Studie wurde nun die Prävalenz sowie der Langzeitverlauf der emotionalen Probleme vom Jugend- bis zum Erwachsenenalter evaluiert. Dazu wurden Daten aus der australischen Kohortenstudie „Mater University Study of Pregnancy“ (MUSP) mit einer Laufzeit von 30 Jahren herangezogen.

Aus der gesamten Kohorte wählten die Forscher jene Kinder aus, die eine Lebensmittelallergie hatten oder gesund waren. Dies waren 1.303 Kinder im Alter von 14 Jahren und 1.087 Kinder im Alter von 21 Jahren. Für die Analyse wurden Daten aus dem „Youth Self-Report“ (YSR) von Kindern im Alter von 14 sowie dem „Young Adult Self-Report“ (YASR) von jungen Erwachsenen im Alter von 21 Jahren ausgewertet. Die Fragebögen des YASR sind eine anerkannte Methode, emotionale Probleme wie Depressionen, Angstgefühle, ADHS, Störungen des Sozialverhaltens wie oppositional defiant disorder (ODD) sowie Verhaltensstörungen in einem standardisierten Verfahren zu erfassen. Zudem zogen die Wissenschaftler die Aussagen der Mütter aus der „Child Behaviour Checklist“ (CBCL), einem analog aufgebauten Fragebogen, über ihr Kind hinzu. In der Studie wurden auch Charakteristika wie die mentale Stabilität der Mutter, das Geschlecht des Kindes, Begleiterkrankungen wie Asthma, Diabetes und Epilepsie berücksichtigt. Zunächst wurde zwischen Kindern im Alter von 14 Jahren mit (268 Probanden) und ohne Lebensmittelallergie (1.035 Probanden) unterschieden. Anschließend wurden die Daten aus den drei Fragebögen hinsichtlich emotionaler Probleme ausgewertet. Lag die Summe aus den Aussagen zu einem bestimmten emotionalen Problem über dem 90. Perzentil der gesamten Kohorte, wurde das jeweilige Symptom als klinisch signifikant eingestuft. Zuletzt verglichen die Wissenschaftler die Aussagen der Probanden im Alter von 14 Jahren mit ihren Aussagen im Alter von 21 Jahren.

Die Auswertung der Befragung von den 14-Jährigen mit einer Lebensmittelallergie zeigte ein leicht erhöhtes Auftreten von klinisch signifikanten emotionalen Problemen im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe. Dabei sind laut Aussagen der Jugendlichen Angstgefühle und ADHS die häufigsten Probleme. Lediglich bei den Aussagen der Mütter ließen sich signifikante Unterschiede beider Gruppen feststellen. So war der Anteil der emotionalen Probleme bei Kindern mit Lebensmittelallergien nach den Aussagen der Mütter deutlich erhöht. Bei den 21-Jährigen war kein Unterschied zwischen den Probanden mit und ohne Lebensmittelallergie mehr feststellbar. Mittels statistischer Analyse zeigte sich jedoch, dass bei einer Lebensmittelallergie dennoch ein deutlich höheres Risiko einer „anhaltenden“ Depression bestand.

Die Studienerkenntnisse zeigen, dass klinisch signifikante Symptome emotionaler Probleme bei Lebensmittelallergien in der Tat relativ häufig, insbesondere bei Jugendlichen, vorkommen. Darüber hinaus ließ sich im Rahmen der Studie ein höheres Risiko einer „anhaltenden“ Depression bei vorliegender Lebensmittelallergie beobachten. Auffällig war die Diskrepanz zwischen den Aussagen der Mütter und der Kinder. Da bei dieser Studie jedoch keinerlei klinische Daten erhoben wurden, konnte hierzu keine Einordnung vorgenommen werden. Die Forscher betonen daher, dass behandelnde Ärzte daher vorerst beide Seiten befragen sollten. Zudem sei es generell empfehlenswert, eine erhöhte Achtsamkeit auf die emotionale Verfassung des Lebensmittelallergie-Patienten zu haben, um eventuelle Hilfestellungen anbieten zu können.

 
Quelle:
Ferro MA, Van Lieshout RJ, Ohayon J, Scott JG. Emotional and behavioral problems in adolescents and young adults with food allergy. Allergy 2016; DOI: 10.1111/all.12829.