Bisher unentdeckter Zelltyp beeinflusst Intensität von Nahrungsmittelallergien

Nahrungsmittelallergien bergen meist individuelle Folgen, ausgeprägt in ganz unterschiedlichen Intensitäten. In Folge einer allergischen Reaktion können Allergiker somit von einer milden Hautreaktion oder sogar von einem heftigen Allergieschock, der im schlimmsten Falle auch tödlich ausgehen kann, betroffen sein.

Zur Bekämpfung von Fremdstoffen im Blut, wie beispielsweise bei einer allergischen Reaktion, sind IgE-Antikörper zusammen mit verschiedenen Abwehrzellen, wie Mastzellen (spezielle weiße Blutkörperchen), beteiligt. Durch frühere Studien ist bekannt, dass sowohl das von den Typ 2 T-Helfer-Zellen produzierte Interleukin 4 (IL4) als auch das Interleukin 9 (IL9) an der Regulierung der IgE-Antikörper und der Allergie beteiligt sind. Unklar war bisher jedoch, welche Zellen das IL9 produzieren. Auch die Mechanismen, die für die unterschiedliche Empfindlichkeit von Nahrungsmittelallergikern verantwortlich sein könnten, waren bisher ebenfalls noch nicht erforscht.

Hierzu wurden im Rahmen aktueller Studien Tierversuche an Mäusen durchgeführt. Ähnlich wie Menschen reagieren auch Mäuse unterschiedlich stark auf Nahrungsmittelallergene. Um eine allergische Reaktion hervorzurufen verabreichten die Wissenschaftler den Mäusen Ovalbumin. Anschließend wurden die unterschiedlichen Mäuserassen auf die Produktion von Interleukin 9 (IL9) untersucht.

Um festzustellen, welche Zellen IL9 produzieren, untersuchten die Wissenschaftler verschiedene Zelltypen des Immunsystems. Es stellte sich heraus, dass ein bestimmter Typ von Mastzellen, die mucosal mast cells (MMC9), IL9 produziert. Dabei handelt es sich um Zellen, deren Rolle vorher nicht bekannt war.

Um die Wirkweise der MMC9 genauer zu erforschen gingen die Wissenschaftler der Frage nach, wie diese Zellen gebildet werden. Sie fanden heraus, dass bei der Produktion der MMC9 die Proteine IL4, der Transkriptionsfaktor STAT6 sowie Typ 2 T-Helfer-Zellen beteiligt sind.

Im nächsten Schritt untersuchten die Wissenschaftler, warum und wie MMC9 die Stärke der allergischen Reaktion beeinflusst. Es zeigte sich, dass MMC9 erhebliche Mengen an IL9 produziert, welches wiederum die Mastzellen-Produktion anregt. Treten diese aus dem Darm aus, können sie auch zu anderen Organen gelangen. Durch die Produktion von Histamin und anderen Molekülen kann dann in der Folge ein anaphylaktischer Schock ausgelöst werden.

Abschließend wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob sich die entsprechenden Zelltypen und Zusammenhänge auch bei Menschen mit Nahrungsmittelallergien wiederfinden. Dazu analysierten sie menschliche Darmzellen mit genetischen Methoden. Erste Ergebnisse wiesen auf eine Übertragbarkeit hin. Es fanden sich signifikant mehr aktive Gene für IL9 sowie spezifische Mastzellen bei Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie, als bei Gesunden.

 

Für Allergiker ist es wichtig zu wissen, wie heftig sich ihre Allergie äußern kann. Die Ergebnisse dieser Studie könnten zur Entwicklung von Markermolekülen hilfreich sein. Mit ihnen ließe sich u.a. feststellen, bei welchem Allergiepatienten ein hohes Risiko einer starken allergischen Reaktion besteht. Außerdem hoffen die Wissenschaftler auf die Möglichkeit, Medikamente zur MMC9–Inhibierung zu entwickeln, mit denen gefährdeten Patienten therapeutisch geholfen werden könnte.

 

 
Quelle: C.-Y. Chen et al.: Induction of Interleukin-9-Producing Mucosal Mast Cells Promotes Susceptibility to IgE-Mediated Experimental Food Allergy, Immunity, Oktober 2015, DOI: 10.1016/j.immuni.2015.08.020