Stärkere Darmschädigung durch Zöliakie bei Kindern mit Anämie

Bei einer Zöliakie sind die Symptome vielfältig, oftmals liegen auch zusammenhängende Begleiterkrankungen vor. Ein Beispiel ist die Anämie bei Kindern, die eine der häufigeren Begleiterscheinungen bei einer unbehandelten Zöliakie darstellt. Dabei steht die Eisenmangelanämie, die durch einen Mangel an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin gekennzeichnet ist, im Vordergrund.

Finnische Wissenschaftler werteten klinische Daten und Blutbilder von Kindern mit diagnostizierter Zöliakie aus, die in einem Universitätskrankenhaus seit dem Jahr 2000 behandelt worden waren. Auch die Befunde der regelmäßigen Dünndarm-Biopsien sowie den Krankheitsverlauf nach Beginn einer glutenfreien Diät wurden in die Analyse einbezogen. Patienten mit einem zum Diagnosezeitpunkt altersspezifisch zu geringen Wert an Hämoglobin teilten die Forscher der Anämiegruppe zu. Von den 455 Kindern unter 18 Jahren litten 82 (18 %) an einer Anämie und 373 (82 %) wiesen einen normalen Hämoglobin-Wert auf. Dabei waren die Anämie-Patienten zum Zeitpunkt der Zöliakie-Diagnose signifikant älter und hatten weniger Fälle von Zöliakie in der Familie. Es zeigte sich zudem, dass das Level an Transglutaminase-2-Antikörper bei ihnen durchschnittlich höher lag. Die Schädigung des Darms war ebenfalls ausgeprägter als bei den Zöliakie-Patienten ohne Anämie. Nach einem Jahr ließ sich mittels einer glutenfreien Diät bei 94,3 Prozent der Patienten mit Anämie sowie bei 96,6 Prozent der übrigen Probanden eine Verbesserung der Zöliakie-Symptome beobachten. Im selben Zeitraum bildete sich die Anämie in 92 % der Fälle zurück, wobei der Hämoglobin-Wert auch nach einem Jahr meist noch unter dem Altersdurchschnitt lag.

Der zugrundeliegende Regulationsweg konnte im Rahmen der Studie nicht näher erforscht werden. Die Forscher halten es jedoch für denkbar, dass die verminderte Resorptionsfähigkeit des Darms infolge der Zöliakie zunächst die Entstehung einer Eisenmangelanämie begünstigen könnte. In einer anderen Studie konnte hingegen ein möglicher Rezeptor zur Gluten-Aufnahme identifiziert werden, der bei Eisenmangel vermehrt gebildet wird und somit wiederum eine Zöliakie verstärken könnte. Bis der genaue Mechanismus gefunden ist, betonen die Forscher die Notwendigkeit, eine Anämie bei einer Zöliakie möglichst früh zu entdecken, zu behandeln sowie eine glutenfreie Diät einzuhalten.

 

Quelle:
Anemia in Pediatric Celiac Disease: Association with Clinical and Histological Features and Response to Gluten-free Diet. Rajalahti T1, Repo M, Kivelä L, Huhtala H, Mäki M, Kaukinen K, Lindfors K, Kurppa K.J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2016 Mar 28.