Bei einer Zöliakie können sich die Symptome der Erkrankung auf verschiedene Weise äußern. Auch das Vorliegen anderer Autoimmunerkrankungen ist möglich. Darüber hinaus werden Zusammenhänge mit kardiovaskulären Erkrankungen vermutet, die durch Atherosklerose ausgelöst werden. Hierzu zählen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz. Jedoch lassen sich die klassischen kardiovaskulären Risikomarker Bluthochdruck, erhöhtes LDL-Cholesterin oder erhöhte Triglyceride bei Zöliakie-Patienten nicht nachweisen. Tetzlaff et al. haben daher erforscht, ob sich ein spezifisches Profil kardiovaskulärer Risikofaktoren bei Zöliakie nachweisen lässt. Zudem untersuchten sie, inwiefern sich das kardiovaskuläre Risikoprofil bei Zöliakie-Patienten je nach Art ihrer Erkrankungssymptome unterscheidet.

Die Wissenschaftler rekrutierten 20 Probanden mit Zöliakie, die noch keine glutenfreie Diät befolgten. Elf von ihnen zeigten gastrointestinale Symptome wie Malabsorption, Durchfall oder Gewichtsverlust. Bei neun der Zöliakie-Patienten lagen extraintestinale Symptome wie Anämie, Osteoporose oder Leberfunktionsstörungen vor. Jedem Probanden mit Zöliakie wurde ein gesunder Proband je nach Alter, Geschlecht und Body Mass Index (BMI) zugeordnet. Mit allen Studienteilnehmern wurden Labortests und Untersuchungen zu verschiedenen kardiovaskulären Risikofaktoren durchgeführt.

Es zeigte sich, dass die Plasmainsulinspiegel ebenso wie die Insulinresistenz bei Probanden mit Zöliakie signifikant höher waren als bei den gesunden Kontrollen. Keine signifikanten Unterschiede zwischen Zöliakie- und Kontrollgruppe wurden bei den Hämoglobin- und Eisenspiegeln, bei den Eisentransportproteinen Ferritin und Transferrin sowie bei Vitamin B12 festgestellt. Jedoch war die Folsäure-Konzentration bei den Zöliakie-Patienten mit 5,4 ng/mL signifikant geringer als bei den gesunden Probanden mit 12,2 ng/mL. Die Forscher analysierten des Weiteren die Lipoproteinprofile der Studienteilnehmer. Sie erfassten beim HDL-Cholesterin und dem am HDL-Transport beteiligten Apolipoprotein A1 signifikante geringere Werte als in der Kontrollgruppe. Keine signifikanten Unterschiede zeigten die Werte von LDL-Cholesterin, Gesamt-Cholesterin und Gesamt-Triglyceriden. Darüber hinaus wurden bei den Zöliakie-Patienten erhöhte Werte des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein nachgewiesen. Die Forscher konnten bei den erfassten kardiovaskulären Risikofaktoren nicht feststellen, dass sie sich bei den Zöliakie-Patienten je nach Art ihrer Symptome unterschieden.

Zusammenfassend konnten bei Probanden mit unbehandelter Zöliakie leichte Veränderungen im Kohlenhydratstoffwechsel, verringerte Folsäure- und HDL-Cholesterinspiegel sowie erhöhte Werte des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein nachgewiesen werden. Aus anderen Studien ist bereits bekannt, dass verschiedene Entzündungsfaktoren bei einer unbehandelten Zöliakie erhöht sein können. Möglicherweise haben sie auch einen Einfluss auf den Kohlenhydratstoffwechsel. Die Forscher vermuten darüber hinaus, dass die Synthese von Apolipoprotein A1 bei Zöliakie vermindert ist. Dies würde die Funktionsfähigkeit des HDL-Cholesterins beeinträchtigen. Die verringerten Folsäure-Werte führen die Wissenschaftler auf eine verminderte Absorption infolge der zerstörten Darmschleimhaut zurück. Da alle genannten Faktoren nach Studienlage mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert sind, deutet alles auf einen Zusammenhang zwischen einer unbehandelten Zöliakie und kardiovaskulären Erkrankungen hin. Die Art der Symptome scheint hingegen nicht mit dem kardiovaskulären Risikoprofil in Verbindung zu stehen.

 

Quelle:
Markers of inflammation and cardiovascular disease in recently diagnosed celiac disease patients
W.F. Tetzlaff, T. Meroño, M. Menafra, M. Martin, E. Botta, M.D. Matoso, P. Sorroche, J.A De Paula, L.E Boero, F. Brites
World Journal of Cardiology; 2017 May 26; 9(5): 448–456; doi: 10.4330/wjc.v9.i5.448