Aktuelle Zöliakie Prävalenz bei Kindern

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten bzw. der Unterfraktion Gliadin beruht. Bei Zöliakie-Betroffenen führt die Zufuhr von Gluten i.d.R. zu einer Entzündung der Darmschleimhaut, welche unangenehme Folgen und Schmerzen für Betroffene mit sich bringen kann. Zöliakie-Symptome sind vielfältig und können nur durch eine strikte Diät verringert werden. In seltenen Fällen verläuft die Krankheit auch symptomfrei. Ob ein Patient an Zöliakie leidet kann mittels Antikörpertest festgestellt werden.

In der bundesweiten KiGGS-Studie wurden nun insgesamt 17.641 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren im Zeitraum zwischen 2003 und 2006 beobachtet. Bei 13 Kindern (0,07 %) gaben die Eltern vorab eine bereits bekannte Zöliakie an. Von allen Probanden über 12 Monate wurden Rückstellmuster des Serums untersucht. Neben den serologischen Untersuchungen auf Gesamt-IgA sowie zöliakiespezifische Antikörper wurden diese 12.741 Kinder bzw. ihre Eltern auch zu Größe, Gewicht und soziodemografischen Faktoren befragt. Im Rahmen der Studie konnte bei 91 der 12.741 Kinder ein erhöhter Autoantikörperspiegel gegen Gewebetransglutaminase nachgewiesen werden. Zudem lag bei sieben Kindern ein IgA-Mangel vor. Eine Zöliakie wurde bei diesen Kindern zuvor nicht diagnostiziert. Auf Basis dieser Ergebnisse konnte nun ermittelt werden, dass 0,8 % der Probanden von einer unerkannten Zöliakie betroffen waren. Von den 12.741 serologisch untersuchten Kindern wurde bei neun weiteren eine Zöliakie diagnostiziert. Aus der gesamten KiGGS-Population ergab sich aus der Summe der Befunde insgesamt eine Zöliakie-Prävalenz von 0,9 %. Auffällig war auch, dass Kinder und Jugendliche mit positiven Befunden auf Zöliakieantikörper im Vergleich zu Teilnehmern mit negativen serologischen Befunden niedrigere Ferritin- und Folsäurewerte hatten und bezogen auf das Alter und Geschlecht tendenziell leichter und kleiner waren.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse schätzen die Wissenschaftler, dass auf neun Kinder mit bereits bekannter Zöliakie potenziell 97 weitere Kinder kommen, bei denen bisher keine Zöliakie diagnostiziert wurde. Eine Häufigkeit, die die bisherige Betroffenenzahl von Kindern unter Berücksichtigung der Dunkelziffer deutlich übersteigt.

Ein generelles Bevölkerungsscreening auf Zöliakie empfehlen die Wissenschaftler jedoch nicht. Untersuchen lassen sollte sich lediglich, wer einer Risikogruppe entstammt. Bei Kindern sollte dies auch bei Symptomfreiheit erfolgen, bei Erwachsenen, wenn typische Zöliakie-Symptome vorhanden sind. Zusätzlich empfiehlt es sich, einen positiven serologischen Befund durch eine Darmspiegelung überprüfen zu lassen.

 
Quelle: M. W. Laass et al.: The prevalence of celiac disease in children and adolescents in Germany-results from the KiGGS study. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 553–60. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0553