Zöliakie senkt den Gehalt wertvoller Antikörper in der Muttermilch nicht

Die Immunglobuline A (IgA) sind Antikörper, die den Körper vor Krankheitserregern schützen. Bei akuten Infektionen oder Autoimmunerkrankungen werden Immunglobuline zur Diagnose herangezogen. So können z. B. hohe Gehalte spezifischer IgA-Antikörper gegen Gliadin auf eine Zöliakie hinweisen. In der Muttermilch sind neben Nährstoffen verschiedene IgA-Antikörper enthalten, die das Immunsystem des Säuglings unterstützen. Vermutlich haben sie auch einen positiven Einfluss auf die Immunantwort des kindlichen Darms gegenüber Nahrungsallergenen. Roca et al. haben in der vorliegenden Studie den Gehalt der Gesamt-IgA- sowie der Anti-Gliadin-IgA-Antikörper in der Muttermilch von Frauen mit Zöliakie untersucht. Zudem analysierten sie, ob die IgA-Gehalte im Zusammenhang mit dem Auftreten von Zöliakie bei den gestillten Kindern stehen.

 

Die Studie ist Teil der europäischen „Prevent CD Study“. Darin wurden Kinder eingeschlossen, bei denen mindestens ein Elternteil an Zöliakie erkrankt ist und die selbst einen der genetischen Risikotypen HLA-DQ2 oder -DQ8 tragen. Einige Kinder der Studienpopulation wurden seit der Geburt begleitet und ihre Mütter sammelten zu verschiedenen Zeitpunkten der Laktation Milchproben.

 

Für die aktuelle Studie wurden Muttermilchproben von 42 Müttern mit Zöliakie untersucht, die seit mehr als zwei Jahren eine glutenfreie Diät befolgten. In der Kontrollgruppe wurden Proben von 41 Müttern ohne Zöliakie ausgewertet. Die Analysen zeigten, dass der Gesamt-IgA-Gehalt der Muttermilch in beiden Gruppen gleich war. Auch der Gehalt an Anti-Gliadin-IgA-Antikörpern unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Jedoch nahm das Level dieser spezifischen IgA-Antikörper mit der Dauer der Laktation in beiden Gruppen leicht ab. Die Schwankungen der Gehalte an Anti-Gliadin-IgA-Antikörpern waren bei derselben Frau geringer, als zwischen den Studienteilnehmerinnen. In der Nachbeobachtung konnte bis zum sechsten Geburtstag bei neun Kindern eine Zöliakie nachgewiesen werden. Davon hatten sieben der Kinder eine an Zöliakie erkrankte Mutter, bei zwei Kindern kamen die Mütter aus der Kontrollgruppe. Die Forscher verglichen die Gesamt-IgA- bzw. Anti-Gliadin-IgA-Antikörper in den Muttermilchproben zwischen Müttern mit erkrankten Kindern und Müttern, bei denen die Kinder keine Zöliakie entwickelt hatten. Auch bei diesem Vergleich ließen sich keine signifikanten Unterschiede in den Gehalten nachweisen.

 

Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass es keinen Einfluss von Zöliakie und glutenfreier Diät auf den Gehalt an Gesamt-IgA- bzw. Anti-Gliadin-IgA-Antikörpern in der Muttermilch gibt. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass immunologische Gedächtniszellen beim Glutenverzehr die Information zur Produktion spezifischer IgA-Antikörper speichern und diese später an die milchproduzierenden Gewebe weitergeben. Die Muttermilch würde nach dieser Hypothese Antikörper gegen alle Antigene enthalten, mit denen die Mutter je in Kontakt kam. Vieles weist darauf hin, dass die Anti-Gliadin IgA-Antikörper den Säuglingsdarm unterstützen, eine Immuntoleranz gegenüber Gluten aufzubauen. Die Forscher sehen daher keinen Hinweis auf ein höheres Zöliakie-Risiko für gestillte Kinder, deren Mütter an Zöliakie erkrankt sind und sich glutenfrei ernähren.

 

 

Anti-gliadin antibodies in breast milk from celiac mothers on a gluten-free diet
M. Roca, S.L. Vriezinga, P. Crespo-Escobar, R. Auricchio, D. Hervás, G. Castillejo, M.C. Mena, I. Polanco, R.Troncone, M.L. Mearin, C. Ribes-Koninckx
European Journal of Nutrition. First Online: 29 May 2017. DOI: 10.1007/s00394-017-1476-1