Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz, auch Milchzuckerunverträglichkeit genannt, ist die Laktoseverwertung als Folge fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase gestört. Insgesamt sind ca. 90 Prozent der Weltbevölkerung von einem Laktasemangel betroffen. Die meisten Europäer können jedoch Milch und Milchprodukte ihr ganzes Leben lang ohne Probleme verzehren. 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung dagegen sind von Laktoseintoleranz betroffen. Bei Ihnen können selbst geringe Mengen des Milchbestandteils Verdauungsbeschwerden auslösen, daher müssen sie auf laktosefreie Lebensmittel zurückgreifen. In den häufigsten Fällen ist die Laktoseintoleranz angeboren oder entsteht begleitend durch eine andere Erkrankung des Verdauungssystems (zum Beispiel bei Zöliakie).

Was ist Laktose bzw. Laktase?

Laktose ist das Kohlenhydrat in der Milch und wird auch Milchzucker genannt. Die Laktose wird durch das Verdauungsenzym Laktase in Glucose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker) gespalten. Durch diesen Vorgang wird Laktose für den menschlichen Organismus verdaulich.

Wo kommt Laktose vor?

Neben typischen Milchprodukten wie zum Beispiel Milch, Kondensmilch, Trockenmilch, Sahne, Crème fraîche, Schmand, Buttermilch, Joghurt, Pudding, Kefir, Molke, Quark und Käse (Frisch-, Hütten-, Schmelzkäse) können auch zahlreiche andere Lebensmittel ebenfalls Laktose enthalten. Auf der Zutatenliste erkennen Sie dies durch Begriffe wie Milch, Molkepulver, Vollmilch- oder Magermilchpulver. Da Laktose zu den sogenannten Hauptallergenen zählt, muss es, sobald es in einem Produkt verwendet wird, entsprechend gekennzeichnet werden. Es ist also anhand der Zutatenliste zu erkennen, ob Laktose bzw. Milch enthalten ist. In folgenden Lebensmitteln kann ebenfalls Laktose enthalten sein:

  • Brot, Brötchen, Knäckebrot, Kuchen und Gebäck, Waffeln, Desserts,
  • Fertiggerichte, Pizza, Konserven
  • Rahmgemüse, Auläufe, Suppen, Grill- und Salatsaucen
  • Kartoffelzubereitungen, Püreepulver, Kroketten, Pommes frites
  • Aufschnitt, Brat- und Brühwürste
  • Speiseeis, Schokolade, Nougat und nougathaltige Cremes, Pralinen, Bonbons, Karamell, Müsli und Müsliriegel
  • Instant-Suppen, Instant-Soßen, Instant-Cremes, Kartoffelpüreepulver, Knödelpulver, Bratlingmischungen
  • Säuglingsmilchnahrung, probiotische Lebensmittel, Medikamente
  • Laktose wird zudem häufig als Trägersubstanz für Aromen oder Gewürzmischungen eingesetzt.

Nicht nur die Kuhmilch, auch die Milch anderer Säugetiere wie Ziege und Schaf enthält Milchzucker und ist somit keine Alternative bei Laktoseintoleranz.

Ursache

Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen die Laktose nicht, weil das Verdauungsenzym Laktase in ihrem Organismus gar nicht oder nicht ausreichend gebildet wird. Das führt dazu, dass die Laktose aus der Nahrung nicht gespalten wird und somit nicht verdaut werden kann.
Nicht zu verwechseln ist die Laktoseintoleranz mit der so genannten Kuhmilcheiweiß-Allergie, bei welcher zwar der Milchzucker, jedoch nicht das Milcheiweiß vertragen wird.

Symptome

Wird die Laktose nicht, wie vorgesehen, im Dünndarm gespalten, wandert sie weiter in den Dickdarm, wo sie in Wasserstoff, kurzkettige Fettsäuren und Kohlensäure umgewandelt wird. Hervorgerufen durch die unzureichende Verdauung des Milchzuckers, kommt es bei der Laktoseintoleranz zu Verdauungsstörungen, die sich von Verstopfung bis zu starken wässrigen Durchfällen äußern können. Größere Mengen des unverdauten Milchzuckers werden von Darmbakterien im Dickdarm unter Bildung von Gasen zersetzt.
Die Betroffenen klagen über Durchfall, Magenkrämpfe, Völlegefühl, Blähungen, kalten Schweiß, aufgedunsenen Bauch, Übelkeit nach dem Essen, Schwindelgefühl, Schlafstörungen, unreine Haut oder depressive Verstimmungen. Die Beschwerden treten jedoch nicht gleichzeitig auf und variieren zudem bei jedem Betroffenen.
Die Symptome sind sehr unspezifisch und könnten auf eine ganze Reihe möglicher Erkrankungen hinweisen. Die Diagnose wird daher in einigen Fällen erst relativ spät gestellt.

Formen

Angeborener kompletter Laktasemangel (= Alactasie)

Es handelt sich bei dieser Form um einen angeborenen, sehr seltenen Enzymdefekt, der bereits im Säuglingsalter auftritt und durch einen kompletten Laktasemangel gekennzeichnet ist. Der Gendefekt wird vererbt und kann schwerwiegende Folgen haben. Deshalb muss die laktosefreie Diät strikt, auch für kleinste Mengen, eingehalten werden. Die Symptome wie zum Beispiel schwerer Durchfall, Austrocknung und Unterernährung treten schon in den ersten Lebenswochen auf, solange nicht auf eine völlig laktosefreie Kost umgestiegen wird.

Primäre Laktoseintoleranz

Dies ist die häufigste Form der Laktoseintoleranz. Sie tritt nach dem Abstillen oder im Laufe des Erwachsenwerdens auf. Bei dieser Form wird mit der Zeit  immer weniger Laktase vom Körper gebildet.

Sekundäre Laktoseintoleranz

Dieser Form liegt eine Störung der Darmschleimhaut zugrunde. Durch andere Erkrankungen wie zum Beispiel Zöliakie oder Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) wird die Darmschleimhaut geschädigt und die Laktase kann im Dünndarmepithel nicht mehr gebildet werden. Das führt dazu, dass die Laktose nicht verwertet werden kann. Diese Form der Laktoseintoleranz ist reversibel, kann also bei Einhaltung der erforderlichen Diät wieder geheilt werden.

Diagnose

Um heraus zu ?nden, ob eine Laktoseintoleranz vorliegt, wird zum Beispiel ein H2-Atemtest oder ein Blutzuckertest bei einem Facharzt durchgeführt.
Beim oralen Milchzuckerbelastungstest werden 50 g in Wasser gelöste Laktose getrunken. Im Anschluss kann durch zwei unterschiedliche Verfahren ein Laktasemangel diagnostiziert werden.

H2-Atemtest: Bei einem Laktasemangel steigt der Wasserstoffgehalt in der Atemluft an. Dieser wird von den Bakterien im Dickdarm beim Verdauen des Milchzuckers gebildet. Er gelangt dann in den Blutkreislauf und wird über die Lunge abgeatmet. Die nachfolgende Messung des Wasserstoffgehalts der Atemluft (in 2 bis 4 halbstündigen Intervallen) zeigt, ob der Milchzucker im Darm aufgespalten wurde oder eine Laktoseintoleranz vorliegt.

Blutzuckertest: Wenn der Blutzucker nach dem Verzehr laktosehaltiger Kost nicht oder nur gering ansteigt, kann von einem Laktasemangel ausgegangen werden, da der Milchzucker dann im Verdauungstrakt nicht aufgespalten und aufgenommen wird. Es liegt also eine Laktoseintoleranz vor.