In dieser aktuellen finnischen Studie setzten sich die Probanden zusammen aus 511 Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren mit einer Zöliakie-Diagnose im Zeitraum zwischen 2003 und 2014 sowie 180 Kindern und Jugendlichen, bei denen zwischen 2007 und 2013 funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen diagnostiziert wurden. Die Zöliakie wurde basierend auf dem Nachweis einer Zottenatrophie der Dünndarmschleimhaut und einer Krypten-Hyperplasie (vergrößerte Einsenkungen in der Darmschleimhaut) definiert. Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen lagen dann vor, wenn klinische Laboranalysen und gastrointestinale Untersuchungen aufgrund von nicht zuzuordnenden Magen- und Darmbeschwerden wie Unterleibsschmerzen, Verdauungsstörungen und Übelkeit durchgeführt worden waren. Alle Probanden wurden hinsichtlich möglicherweise vorliegender extraintestinaler Manifestationen (EIM) untersucht. Zu den Merkmalen zählten die Haut betreffende Probleme wie zum Beispiel Dermatitis herpetiformis, atopische Dermatitis, Erythema nodosum sowie undefinierter Hautausschlag. Weitere Merkmale waren unter anderem Anämie, verringertes Wachstum, Zahnschmelzverlust sowie neurologische Beschwerden wie Migräne und Kopfschmerzen.

Die Zöliakie-Patienten waren mit einem Durchschnittsalter Alter von 7,6 Jahren versus 10,6 Jahren jünger als die Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen. Außerdem waren mehr Mädchen von Zöliakie als von funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen betroffen (65 % versus 53 %). EIM wurden bei den Zöliakie-Patienten im Vergleich zu den Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen fast doppelt so häufig nachgewiesen (62 % versus 33 %). Die am häufigsten beobachteten EIM bei Zöliakie-Patienten waren ein verringertes Wachstum (27 %), Anämie (18 %) und Hautprobleme (15 %). Außerdem zeigten die Betroffenen oft Müdigkeitserscheinungen (8 %) und Symptome, die das Nervensystem (9 %) und die Gelenke (6 %) betrafen. Zöliakie-Patienten mit EIM als klinischem Erscheinungsbild hatten bei der Diagnose schwerwiegendere Symptome als solche mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen.

Die Hauptkriterien für eine Untersuchung auf Zöliakie waren vorangegangene EIM-Diagnosen und gastrointestinalen Beschwerden. Weitere Zöliakie-Patienten wurden durch ein Screening, das bei Risikogruppen durchgeführt wurde, ermittelt. Familiäre Vorbelastungen mit Zöliakie und Diabetes mellitus Typ 1 erhöhten die Wahrscheinlichkeit für ein Screening zusätzlich. Bei der Analyse der Daten der Zöliakie-Patienten wurde unterschieden, ob die Diagnose aufgrund des Auftretens von EIM, gastrointestinalen Beschwerden oder mittels Screening gestellt wurde. Dabei stellte sich heraus, dass die Zottenatrophie bei Patienten mit EIM deutlich stärker ausprägt war als bei Patienten, deren Diagnose auf gastrointestinalen Beschwerden oder einem Screening beruhte. Die Ausprägung der Symptome, die bei EIM vor der Zöliakie-Diagnose auftraten, wurde in 22 % der Fälle als mild oder moderat und in 78 % der Fälle als schwer eingestuft. Im Vergleich dazu waren es 53 % bzw. 47 % bei den Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen. Bei Patienten, deren Zöliakie-Diagnose basierend auf einem Screening gestellt wurde, wurde die Ausprägung der Symptome in 45 % der Fälle als mild und in 14 % der Fälle als moderat eingestuft.

Zusammengefasst zeigte sich, dass EIM bei Kindern und Jugendlichen mit Zöliakie häufig auftraten und diese Patienten im Vergleich zu Patienten ohne EIM schwerere klinische Erscheinungsbilder aufwiesen.

 

Quelle:
Extraintestinal manifestations were common in children with coeliac disease and were more prevalent in patients with more severe clinical and histological presentation
S. Nurminen, L. Kivelä, H. Huhtala, K. Kaukinen, K. Kurppa
Acta Paediatrica. 2018; x. doi.org/10.1111/apa.14324