Die Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NCGS) ist ein klinischer Symptomkomplex, der durch die Aufnahme glutenhaltiger Nahrung hervorgerufen wird und zu Darm- und/oder extraintestinalen Symptomen führt, die verschwinden, sobald die glutenhaltigen Lebensmittel aus der Ernährung eliminiert werden. In Ermangelung eindeutiger Diagnose-Kriterien aufgrund mangelnden Wissens über die Pathophysiologie und des Mangels validierter Biomarkern wird die NCGS-Diagnose nach wie vor hauptsächlich auf dem Ausschluss-Prinzip gestellt. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass NCGS eine immunvermittelte Erkrankung ist, die wahrscheinlich eine angeborene Immunantwort auslöst. Darüber hinaus wurde kürzlich die Hypothese aufgestellt, dass neben Gluten auch andere Bestandteile des Weizens für die beobachteten Symptome verantwortlich sein könnten. Die Übersichtsarbeit zielt darauf ab, die verfügbaren Erkenntnisse über die histologischen und immunologischen Merkmale der Darmschleimhaut von Patienten mit Nicht-Zöliakie-Gluten-Empfindlichkeit zu diskutieren.

Nach derzeitigem Kenntnisstand haben NCGS-Patienten eine normale Zwölffingerdarm-Histologie. Diese Merkmale unterscheiden sich stark von der typischen Zöliakie-Enteropathie, bei der die Dünndarmbiopsie eine wesentliche Rolle bei der Diagnose spielt. Beim Vorliegen einer Zöliakie sind mukosal-pathologische Merkmale variabel und reichen von leichten Anomalien, wie z.B. einer intraepithelialen Lymphozytose, bis hin zur subtotalen Zottenatrophie. Dünndarmbiopsien von NCGS-Patienten zeigten eine normale bis leicht entzündete Schleimhaut, während Zöliakie-Patienten eine partielle oder subtotale Zottenatrophie mit Gewebewucherung aufweisen. Die Anzahl verschiedener T-Lymphozyten, die typische Merkmale der Zöliakie-Histopathologie darstellen, lag bei NCGS-Patienten zwischen denen von Zöliakie-Patienten und den gesunden Kontrollpersonen. Die Gründe für die erhöhten T-Lymphozyten-Werte bei NCGS-Patienten sind bislang unklar.

Funktionsstörungen der Darmschleimhaut können einen weiteren möglichen Mechanismus darstellen, der an der Pathogenese von NCGS beteiligt ist. Während Zöliakie mit einer erhöhten Dünndarmpermeabilität assoziiert ist, scheint das Gegenteil bei NCGS-Patienten der Fall zu sein. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die unterschiedlichen klinischen Merkmale zwischen NCGS und Zöliakie mit unterschiedlichen Zuständen der Darmschleimhaut assoziiert sind. Darüber hinaus liegen keine Daten über die Rolle der mukosalen Immunantwort bei der Pathogenese von NCGS vor. Das Interesse an der Rolle des angeborenen Immunsystems bei NCGS nimmt zu. Dies beruht auf der Beobachtung, dass der Verzehr von Produkten auf Weizenbasis sofortige Reaktionen hervorrufen kann, die zu kurz sind, um durch eine adaptive Immunantwort vermittelt zu werden. Eine Studie zeigte, dass die Marker der adaptiven Immunität bei NCGS-Patienten im Vergleich zu Zöliakie-Patienten und gesunden Kontrollen nicht erhöht waren. Diese Befunde legen nahe, dass das intestinale angeborene Immunsystem an der Entwicklung von NCGS beteiligt sein könnte. Die intestinalen Epithelveränderungen bei Vorliegen von NCGS können im Vergleich zu Zöliakie geringfügiger sein, so dass sie möglicherweise nicht mit konventioneller Lichtmikroskopie nachweisbar sind. Daher kann es sinnvoll sein, eine Ultrastrukturanalyse und weitere Analysen durchzuführen.

Insgesamt hat die Übersichtsarbeit gezeigt, dass die Diagnose von NCGS nach wie vor auf dem Ausschluss-Prinzip beruht. Bei der Entstehung von NCGS ist sehr wahrscheinlich das angeborene Immunsystem beteiligt. Der Zwölffingerdarm und die Dünndarmschleimhaut zeigten bei Biopsien im Vergleich zu Zöliakie-Patienten keine Veränderungen. Studien haben außerdem ergeben, dass die Getreidesorte Tritordeum für NCGS-Patienten eine gute Alternative zu herkömmlichen Getreidesorten darstellt.

Quelle:
Non-Celiac Gluten Sensitivity: How Its Gut Immune Activation and Potential Dietary Management Differ from Celiac Disease
V. R. Aufiero, A. Fasano ,G. Mazzarella
Molecular Nutrition and Food Research. 2018, April. doi.org/10.1002/mnfr.201700854