Die immunologische Reaktion auf Gluten verursacht bei an Zöliakie erkrankten Menschen charakteristische intestinale Veränderungen mit schleichender Entwicklung. Studien zeigten, dass eine histologische Verbesserung der Darmstruktur innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach Beginn einer glutenfreien Ernährung erfolgt. Das Ziel dieser aktuellen Studie war es, Rate und Zeitpunkt der Genesung bei Kindern mit Zöliakie, die sich glutenfrei ernährten, zu erfassen. Hierzu wurden histologische Befunde herangezogen.

Dazu wurden in einer rumänischen Kinderklinik über einen Zeitraum von zehn Jahren (2007–2017) 105 Kinder rekrutiert. Das Durchschnittsalter betrug 4,6 Jahre mit einer Altersspanne von 1 bis 18 Jahren. Einschlusskriterien waren für Zöliakie typische intestinale Symptome wie chronische Durchfälle, Blähungen und Gedeihstörungen sowie atypische Symptome wie chronische Verstopfung, wiederkehrende Unterleibsschmerzen, erhöhte Leberenzymwerte, nicht behandelbarer Eisenmangel, Osteoporose und bei Mädchen das Ausbleiben der Menstruation. Auch auffällige histologische Befunde, die mit Marsh-Typ II oder einer höheren Einstufung (Marsh-Typ IIIA, IIIB oder IIIC) in Beziehung stehen, die Einhaltung einer glutenfreien Ernährung und eine negative IgA und/oder IgG tTG-Serologie beim Follow-up wurden einbezogen. (Die Marsh-Kriterien sind der Standard zur Beurteilung der Dünndarmbiopsie. Dabei sind die Zahl der in die Schleimhaut eingewanderten Lymphozyten, die Zottenlänge im Verhältnis zu den Krypten, die Zellteilungsrate, die Anzahl der Entzündungszellen in der Lamina propria und die Beurteilung des Bürstensaums in einer speziellen Färbung relevant. Bei Marsh-Typ II und III wird die Diagnose Zöliakie gestellt.) Die Kinder wurden 1 bis 2 Jahre nach Beginn der Umsetzung der glutenfreien Ernährung einer Dünndarmbiopsie unterzogen. Wenn die Zottenatrophie andauerte, wurden weitere Biopsien durchgeführt.

Bereits nach ein- bis zweijähriger Einhaltung der glutenfreien Ernährung zeigten 84,7 % der Kinder eine histologische Remission. Nach zwei- bis dreijährigem Glutenverzicht stieg die histologische Remission auf 93,3 % und nach mindestens 3 Jahren auf 98 % an. In allen 19 Fällen, die als Marsh Typ II eingestuft wurden, normalisierten sich die Zottenveränderungen innerhalb des ersten Jahres auf Marsh Typ 0. Von 86 Kindern mit Marsh Typ III-Läsionen wurde eine histologische Remission bei 81,4 % nach 1 Jahr, bei 91,8 % innerhalb von 2 bis 3 Jahren und bei 97,6 % in der Langzeitbeobachtung festgestellt (≥ 3 Jahre). Zwei Patienten mit gleichzeitig vorliegendem selektivem IgA-Mangel zeigten trotz glutenfreier Ernährung Symptome von Malabsorption und anhaltender Zottenatrophie über einen Zeitraum von mehr als 3 Jahren. Die Analyse der Remissionen bei Marsh-Typ III innerhalb der ersten 1 bis 2 Jahre nach Beginn der glutenfreien Ernährung ergab signifikante Unterschiede. Deutlich mehr Kinder mit einer partiellen (Marsh-Typ IIIA) oder subtotalen Zottenatrophie (Marsh-Typ IIIB) (92,6 % bzw. 88,2 %) zeigten histologische Verbesserungen, während es bei den Kindern mit einer totalen Zottenatrophie (Marsh-Typ IIIC) nur 60 % waren. Auch nach weiterem Glutenverzicht stellte sich bei diesen Kindern keine vollständige Erholung der Darmstruktur ein.

Zusammenfassend zeigte die Studie, dass die histologische Remission der Darmstruktur nach Beginn einer glutenfreien Ernährung bei Kindern mindestens ein Jahr dauerte. Nur bei einem kleinen Teil der Kinder wurde keine vollständige Remission erzielt. Die systematische Nachsorge von Kindern mit Zöliakie und persistierender Malabsorption ist notwendig, um Sekundärkomplikationen zu vermeiden.

 

Quelle:
Histologic recovery among children with celiac disease on a gluten-free diet. A long-term follow-up single-center experience
O. Belei, A. Dobrescu, R. Heredea, E. R. Iacob, V. David, O. Marginean1
Archives of medical science. 2018; 14: 94-100. doi: 10.5114/aoms.2018.72241