Häufig werden serologische Tests zu einer ersten Untersuchung auf Zöliakie eingesetzt, bevor gegebenenfalls eine Endoskopie und Dünndarmbiopsie durchgeführt wird. Unter anderem werden hierbei spezifische Autoantikörper für das Enzym Gewebetransglutaminase genutzt. Basierend auf der Nutzung dieser Autoantikörper wiesen Forscher auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Zöliakie und Nierenerkrankungen hin. Die bisherigen Studienergebnisse sind jedoch widersprüchlich.

Ziel der vorliegenden Studie war daher eine Berechnung der Prävalenz von Zöliakie anhand der Daten von 827 finnischen Patienten aus dem Zeitraum von 2000 bis 2012, die sich aufgrund klinischer Indikationen einer Nierenbiopsie unterzogen hatten. Die Studiengruppe setzte sich zu 38 % aus weiblichen und 62 % männlichen Patienten mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren zusammen. Zusätzlich sollte bewertet werden, ob eine koexistierende Zöliakie den klinischen Verlauf der Nierenerkrankung beeinflusst. Außerdem wurden über einen Zeitraum von 15 Jahren Follow-up-Daten über die Nierenfunktion und Komorbiditäten von Nierenerkrankungen erhoben.

Eine Zöliakie wurde bei 5,4 % der von einer Nierenerkrankung betroffenen Patienten gefunden. Bei 1,1 % der Patienten war das Vorliegen einer Zöliakie bereits vor der Studie bekannt. Betrachtete man die Daten von Patienten mit der am häufigsten vorhandenen Nierenentzündung (IgA-Nephropathie) getrennt, so wiesen 8,2 % der Patienten Zöliakie auf. Zwischen den IgA-Nephropathie-Patienten mit bzw. ohne Zöliakie wurden keine Unterschiede hinsichtlich des Alters oder des Geschlechts gefunden. Der Vergleich der Häufigkeit für Begleiterkrankungen zeigte eine höhere Prävalenz für Bluthochdruck bei IgA-Nephropathie-Patienten mit Zöliakie. Im Gegensatz dazu litt diese Gruppe seltener an erhöhten Blutfettwerten und Typ-2-Diabetes als die Gruppe ohne Zöliakie. Zum Zeitpunkt der Nierenbiopsie und nach einem medianen Follow-up von fünf bis sechs Jahren war die Nierenfunktion bei IgA-Nephropathie-Patienten mit Zöliakie schlechter als bei Patienten ohne Zöliakie. 25 % der IgA-Nephropathie-Patienten mit Zöliakie starben während des Follow-up-Zeitraumes.

Die Prävalenz von Zöliakie bei Patienten, die sich aufgrund bestimmter Symptome einer Nierenbiopsie unterzogen, scheint den Ergebnissen nach hoch zu sein. Dies gilt vor allem für Patienten mit IgA-Nephropathie. Da Zöliakie mit einer schlechteren Nierenfunktion einhergehen kann, sollte eine möglicherweise vorliegende Koexistenz von Zöliakie bei der Behandlung von Patienten mit Nierenerkrankungen berücksichtigt werden.

Quelle:
Celiac disease or positive tissue transglutaminase antibodies in patients undergoing renal biopsies R. Nurmi, M. Metso, I. Pörsti, O. Niemelä, H. Huhtala, J. Mustonen, K. Kaukinen, S. Mäkelä
Digestive and Liver Disease. 2018; 50 (1): 27-31. doi.org/10.1016/j.dld.2017.09.131