An einer großangelegten Querschnittsstudie nahmen israelische Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 17,1 Jahren teil, die einer umfassenden Gesundheitsprüfung unterzogen wurden. Die Probandenrekrutierung erstreckte sich über einen Zeitraum von 27 Jahren (1988-2015). Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Autoimmunerkrankungen bei Zöliakie-Patienten signifikant häufiger auftreten als bei gesunden Probanden. Dazu gehören Insulin-assoziierter Diabetes, entzündliche Darmerkrankungen, Arthritis, Erkrankungen der Schilddrüse, Schuppenflechte und Asthma. Die Ergebnisse zeigen aber, dass nicht nur eine erhöhte Prävalenz für Autoimmunerkrankungen mit Zöliakie vorliegt, sondern auch für andere Krankheiten und Begleiterscheinungen.

Eine erstaunliche Erkenntnis der Forscher war die erhöhte Häufigkeit von Gallensteinen bei Zöliakie-Patienten, da sie bislang davon ausgingen, dass der enterohepatische Zyklus bei Zöliakie keine Rolle spielt.

Ebenfalls unerwartet waren die Ergebnisse hinsichtlich Menstruationsbeschwerden. Bislang waren nur das verspätete Einsetzen der ersten Regelblutung, das Ausbleiben einer regelmäßigen Regelblutung, verringerte Schwangerschaftsraten, erhöhte Raten für Fehlgeburten und das verfrühte Einsetzen der Menopause bei Zöliakie bekannt. Eine andere Forschergruppe lieferte den Hinweis, dass möglicherweise transglutaminasespezifische Antikörper für das erhöhte Risiko für Menstruationsbeschwerden verantwortlich sind.

Migräne trat häufiger bei weiblichen als bei männlichen Jugendlichen auf und war mit einem erhöhten Auftreten von Depression und Angstzuständen assoziiert. Erklärungen für mögliche Zusammenhänge gibt es noch nicht. Das Risiko für die Entwicklung von Nierensteinen ist bei Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen nicht erhöht. Nach dem Jugendalter kann Zöliakie die Bildung von Nierensteinen durch eine erhöhte Ausscheidung von Oxalat fördern.

Zusammenfassend zeigte die Studie, dass bei Jugendlichen mit Zöliakie-Diagnose bereits Autoimmunerkrankungen und andere, nicht immunassoziierte Krankheiten, vorlagen. Vor allem die Erkenntnisse hinsichtlich der Entwicklung von Gallensteinen und Menstruationsbeschwerden sollen weiter verfolgt werden. Außerdem ist zu prüfen, inwiefern eine glutenfreie Ernährung das Risiko für diese Begleiterscheinungen verringert.

 

Quelle:
Large population study shows that adolescents with celiac disease have an increased risk of multiple autoimmune and nonautoimmune comorbidities
A. Assa, Y. Frenkel-Nir, D. Tzur, L. H. Katz, R. Shamir
Acta Paediatrica. 2017; 106 (6): 967-972. doi: 10.1111/apa.13808