Obwohl die gastrointestinalen Symptome bei Glutenunverträglichkeiten am weitesten verbreitet sind, gibt es eine Reihe von anderen Faktoren, die in der klinischen Praxis zunehmend festgestellt werden. Unter anderem konnten klare Zusammenhänge zwischen Glutenunverträglichkeiten und Epilepsie, verschiedenen Bewegungsstörungen und Kopfschmerzen festgestellt werden.

Im August 2018 führten britische Wissenschaftler eine systematische Auswertung der wissenschaftlichen Datenbank PubMed durch, um den Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Glutenunverträglichkeiten weiter zu untersuchen.

Zis et al. werteten die Daten von insgesamt 40 Studien aus. Unter anderem berücksichtigten sie Studientyp, Populationsgröße, Alter der Gruppe, Prävalenz von Glutenunverträglichkeiten und Kopfschmerzen sowie die Art des Kopfschmerzes. Insgesamt flossen die Daten von 42.388 Personen in das Ergebnis der Untersuchung ein.

Die Wissenschaftler konnten eine erhöhte Prävalenz von Kopfschmerzen bei Patienten mit Zöliakie beobachten. Dies zeigte sich sowohl in den Studien mit Erwachsenen als auch mit Kindern. Mehrere Studien kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass Kopfschmerzen ein erstes Symptom für eine Zöliakie-Erkrankung sein können.

Überwiegend ist es Migräne, die mit Zöliakie in Verbindung steht. In vielen der untersuchten Studien sprachen die Patienten allerdings von Kopfschmerzen, ohne eine genaue Beschreibung der Symptome anzugeben, was die Auswertung für die Wissenschaftler erschwerte.

Die Wahrscheinlichkeit, unter Kopfschmerzen zu leiden, ist bei Zöliakie-Patienten signifikant höher als in den jeweiligen Kontrollgruppen. Aus den Daten der Studien ermittelten Zis et al. eine gepoolte durchschnittliche Prävalenz (Rohdaten mehrerer Erhebungen wurden zusammengefasst) von 26 % bei Erwachsenen und 18,3 % bei Kindern. In mehreren Studien kam man zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind mit Kopfschmerzen an Zöliakie erkrankt ist, signifikant höher ist als bei Kindern ohne Kopfschmerzen.

Die Wissenschaftler untersuchten auch den Einfluss der Ernährung auf die Kopfschmerzen. Sie betonen, dass sich durch eine glutenfreie Diät die Kopfschmerzen effektiv behandeln lassen. Verschiedene Studien konnten bei Erwachsenen eine Reduktion der Schmerzen zwischen 51,6 % und 100 % feststellen. Bei Kindern lag die Rate zwischen 69,2 % und 100 %. Bei bis zu 71,3 % der Kinder führte eine glutenfreie Ernährung zu einem vollkommenen Verschwinden der Beschwerden. Wurde jedoch versehentlich Gluten mit der Nahrung aufgenommen, traten bei vielen Patienten wieder Kopfschmerzen auf. Zudem zeigte eine Ernährungsanalyse von Patienten mit anhaltenden Symptomen, einschließlich Kopfschmerzen, dass bis zu 56 % der Patienten noch Spuren von Gluten konsumierten. Daher raten die Wissenschaftler, bei anhaltenden Beschwerden eine Ernährungsberatung sowie serologische Tests durchzuführen.

Quelle:
Headache Associated with Coeliac Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis Zis et al. Nutrients 2018, 10, 1445; doi:10.3390/nu10101445