Um zu ermitteln, welche genetischen Ursachen für die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien eine Rolle spielen, wurden 1.500 deutsche und nordamerikanische Kinder mit diagnostizierter Nahrungsmittelallergie aus verschiedenen, bereits laufenden Studien zu ähnlichen Thematiken rekrutiert. Außerdem wurden rund 3.500 gesunde Kontrollen, bei denen Nahrungsmittelallergien ausgeschlossen werden konnten, für die Studie zusammengestellt. Bei jedem Studienteilnehmer wurden fünf Millionen Varianten im Erbgut, sogenannte SNPs (Single Nucleotide Polymorphism), untersucht, und mit den SNPs der Kontrollgruppen verglichen. Dadurch wurden fünf Genorte identifiziert, die für die Entstehung von Nahrungsmittelallergien mitverantwortlich sein könnten. Ein Genort ist die genetische Position eines Gens im Genom (der Gesamtheit aller Gene). Vier dieser Genorte sind allgemein mit Nahrungsmittelallergien assoziiert und stehen wahrscheinlich mit Genorten im Zusammenhang, die Neurodermitis und Asthma sowie chronisch entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn, Schuppenflechte und Autoimmunerkrankungen verursachen. Der fünfte Genort war bei allen Kindern, die mindestens eine Nahrungsmittelallergie aufwiesen, aktiv und wird als SERPINB-Gencluster bezeichnet. Bei einem Gencluster handelt es sich um eine Gruppe von Genen, die zur gleichen Genfamilie gehören und für ähnliche oder gleiche Proteine kodieren. Das SERPINB-Gencluster ist auf Chromosom 18 lokalisiert und wird vornehmlich in der Haut und der Schleimhaut der Speiseröhre exprimiert, was vermuten lässt, dass es für die Aufrechterhaltung der Barrierefunktion der Haut und der Schleimhaut von Bedeutung ist. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass nur das Leukozytenantigen-System - eine Gruppe von Genen, die im zellulären Immunsystem des Menschen eine große Rolle spielen - erdnussspezifisch ist, also eine Erdnussallergie verursacht, wohingegen die anderen vier Genorte allgemein mit Nahrungsmittelallergien assoziiert sind.

Quelle:

Genome-wide association study identifies the SERPINB gene cluster as a susceptibility locus for food allergy
I. Marenholz, S. Grosche, B. Kalb, F. Rüschendorf, K. Blümchen, R. Schlags, N. Harandi, M. Price, G. Hansen, J. Seidenberg, H. Röblitz, S. Yürek, S. Tschirner, X. Hong, X. Wang, G. Homuth, C. O. Schmidt, M. M. Nöthen, N. Hübner, B. Niggemann, K Beyer, Y.-A. Lee
Nature Communications. 2017; 1056: 1–10. doi: 10.1038/s41467-017-01220-0