Bei Patienten mit diagnostizierter Zöliakie wird häufig eine geringe Knochendichte nachgewiesen. Dies können Anzeichen für Osteopenie, eine Vorstufe für Osteoporose, und eine manifestierte Osteoporose sein. Bei Zöliakie-Patienten, die nicht behandelt werden, sind ca. 75 % davon betroffen. Die Malabsorption von Calcium und Vitamin D, sekundärer Hyperparathyreoidismus und chronische Entzündungen können einer verringerten Knochendichte vorausgehen, die genaue Pathogenese im Zusammenhang mit Zöliakie ist jedoch noch unklar. Nun wurde eine Studie durchgeführt, um Veränderungen der Knochendichte mittels dualer Röntgenabsorptionsmessung (DXA) an Lendenwirbelsäule, Hüfte, Schenkelhals und Unterarmknochen sowie mittels biochemischer Prädiktoren nach der Diagnose und während der Behandlung der Zöliakie zu beurteilen. Dazu wurden 103 erwachsene Zöliakie-Patienten des Zöliakiezentrums des Columbia University Medical Center in die Studie eingeschlossen.

Das Durchschnittsalter der Studienpopulation betrug 45,6 Jahre (± 15,1). 60 % der Probanden waren weiblich. Innerhalb der ersten drei Monate der ersten DXA wurden die Konzentrationen an Serumcalcium, Phosphaten, Kreatinin, der alkalischen Phosphatase, Parathormon, Serum 25-Hydroxyvitamin D, 1,25-Dihydroxyvitamin D und der Gewebetransglutaminase IgA erfasst. Außerdem wurde zur Nierenfunktionsprüfung die Kreatinin-Clearance ermittelt.

Die Vitamin-D-Metaboliten und die Paramter zur Überprüfung der Nierenfunktion sowie Serumcalcium, Phosphate und Parathormon zeigten im Durchschnitt keine Auffälligkeiten. Bei 21 % der Patienten wurden erniedrigte Vitamin D-Werte und bei 11 % der Patienten erhöhte alkalische Phosphatase-Werte oberhalb des Normbereichs nachgewiesen. Die Werte für die Gewebetransglutaminase IgA waren im Vergleich zum Normbereich um das Vierfache erhöht. Die mittleren DXA-T-Scores, die Auskunft über die Knochendichte geben, lagen bei 49 % der Patienten in allen untersuchten Skelettbereichen im Bereich -1 bis -2,4, was als Osteopenie einzustufen ist. 33 % der Patienten wiesen T-Scores < -2,5 und somit Osteoporose auf.

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 21 Monaten stieg die Knochendichte der Lendenwirbelsäule bei Einhaltung einer glutenfreien Ernährung signifikant um 1,7 ± 5,5 %. Eine ähnliche Entwicklung wurde bei der Hüfte beobachtet (1,6 ± 6,3 %), am Schenkelhals und am Unterarmknochen wurden jedoch keine Veränderungen der Knochendichte ermittelt. Berechnungen ergaben, dass nur die Serumcalciumwerte dazu geeignet waren,  eine Erhöhung der Knochendichte vorherzusagen. Das Alter bei der Zöliakie-Diagnose, das Gewicht, das Geschlecht, die Knochendichte der Lendenwirbelsäule, die Nierenfunktion sowie die alkalischen Phosphatase-Level, die Dauer der Krankheit und Diarrhoen zum Zeitpunkt der Diagnose waren nicht mit Veränderungen der Knochendichte assoziiert.

Es kann geschlussfolgert werden, dass sich die Knochendichte durch die Behandlung der Zöliakie und der Einhaltung einer glutenfreien Ernährung in bestimmten Arealen erhöht. Je niedriger die Ausgangswerte des Serumcalciums sind, desto größere Verbesserungen der Knochendichte sind zu erwarten.

Quelle:
Predictors of improvement in bone mineral density after celiac disease diagnosis
H. M. Zylberberg, B. Lebwohl, A. R. Choudhury, M. D. Walker, P. H. R. Green
Endocrine. 2018; 59: 311-318. doi 10.1007/s12020-017-1488-x