Eine Zöliakie kann mit verschiedenen Symptomen und Begleiterkrankungen einhergehen, darunter möglicherweise auch Beeinträchtigungen der Zahngesundheit. Studien wiesen bereits spezifische Zahnschmelz-Veränderungen bei Zöliakie-Patienten nach. Neben verschiedenen Zahnproblemen, wie Schmerzen oder Überempfindlichkeit, kann die Gesundheit auch durch eine chronische Mundtrockenheit negativ beeinflusst werden. Dies wird als Xerostomie bezeichnet und kann zu einer brüchigen Mundschleimhaut, Zahnfleischentzündungen oder Karies führen. Van Gils et al. haben untersucht, ob Zöliakie einen Einfluss auf die Zahngesundheit sowie das Auftreten von Xerostomie hat.

 An der Studie nahmen Mitglieder der Niederländischen Zöliakie-Gesellschaft mit klinisch bestätigter Zöliakie teil. Für die Kontrollgruppe wurden Freunde und Bekannte der Zöliakie-Patienten rekrutiert. Insgesamt gaben 740 Zöliakie-Patienten und 270 gesunde Kontrollen online Auskunft zu ihrem sozioökonomischen Status, zur Dauer der Zöliakie-Erkrankung, zur Einhaltung der glutenfreien Diät sowie zu generellen Zahnproblemen. Zudem füllten sie zwei standardisierte Fragebögen aus, darunter den Fragebogen „Oral Health Impact Profile 14“ (OHIP-14). Der OHIP ist der in der Forschung und klinischen Praxis am häufigsten genutzte Fragebogen zur Evaluation der Zahngesundheit. Des Weiteren wurde der Fragebogen "Xerostomia Inventory” (XI) verwendet, der die Schwere der Mundtrockenheit erfragt. Aus den beiden standardisierten Fragebögen wurde eine Kennzahl errechnet, bei der höhere Summenwerte eine schlechtere Zahngesundheit bzw. Xerostomie abbilden. Sowohl die Einzelangaben als auch die Kennzahlen wurden zwischen der Zöliakie- und der Kontrollgruppe statistisch verglichen.

Zöliakiepatienten hatten im Vergleich zu gesunden Kontrollen 1,9-mal so häufig Zahnfleischprobleme und 2,0-mal so häufig empfindliche Zahnhälse. Die Häufigkeit von Karies unterschied sich hingegen zwischen den Gruppen nicht. Bei den Angaben im OHIP-14 zeigten sich bei 13 der 14 erfragten Kategorien signifikant größere Beeinträchtigungen bei den Zöliakiepatienten. So gaben sie u. a. 2,6-mal häufiger Probleme beim Essen oder Trinken, 3,3-mal häufiger Fehlregulationen der Kiefergelenke, 1,9-mal häufiger Mundschleimhautentzündungen sowie 2,2-mal häufiger Fehlgeschmack an. Folglich lag der Gesamtpunktwert mit 4,9 signifikant höher als bei den gesunden Probanden (2,6). Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Auswertung des standardisierten Fragebogens zur Xerostomie. Der Durchschnittswert war mit 22,2 signifikant höher als bei den gesunden Probanden mit 17,2. Weder das Geschlecht, das Alter zum Zeitpunkt der Zöliakiediagnose noch die Dauer der glutenfreien Diät hatten einen Einfluss auf die signifikanten Unterschiede beim OHIP-14 bzw. XI.

Die Wissenschaftler schließen aufgrund ihrer Untersuchungsergebnisse auf einen Zusammenhang zwischen Zöliakie und einer schlechteren Zahngesundheit bzw. Xerostomie. Die Forscher empfehlen daher eine engere Zusammenarbeit von Zahnärzten und Gastroenterologen. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für den Zusammenhang. Möglicherweise sind die durch die Malabsorption ausgelösten Nährstoffdefizite ausschlaggebend, die trotz einer glutenfreien Diät bis zu 10 Jahre anhalten können. Denn Defizite bei Eisen, Folsäure und Vitamin B12 können sich negativ auf die Zahngesundheit auswirken und spielen z.B. bei Mundschleimhautentzündungen eine Rolle. Eine andere These beruht auf den in der Studie nachgewiesenen Unterschieden in der oralen Bakterienzusammensetzung zwischen gesunden Personen und Zöliakie-Patienten. Möglicherweise begünstigt die glutenfreie Diät darüber hinaus eine bestimmte orale Bakterienzusammensetzung, die sich negativ auf die Zahngesundheit bzw. die Speichelbildung auswirkt. Diese möglichen Ursachen sollen nun genauer erforscht werden.

 
Quelle:
Self-reported oral health and xerostomia in adult patients with celiac disease versus a comparison group
T. van Gils, G. Bouma, H.J. Bontkes, C.J.J. Mulder, H.S. Brand
Oral Surgery Oral Medicine Oral Pathology Oral Radiology. 2017 Aug;124 (2): 152-156. doi: 10.1016/j.oooo.2017.05.475