Studien haben gezeigt, dass Umwelteinflüsse sowie Infektionen dazu beitragen können, dass die Glutentoleranz bei Menschen mit genetischer Veranlagung für Zöliakie abnimmt. Bezüglich viraler Infektionen wurde nachgewiesen, dass sie die Bildung und Freisetzung eines Enzyms, der Gewebetransglutaminase, veranlassen, was zu einem Anstieg der Immunogenität gegenüber Gluten führt. Zudem führt der Entzündungszustand während einer Infektion zu einer Aktivierung autoreaktiver T-Zellen, was einen kritischen Schritt hinsichtlich einer Zöliakie-Entwicklung darstellt. Ein relevanter Auslöser für Zöliakie könnte demnach auch die Grippe sein. Jährlich sind 10 bis 20 % der Menschen davon betroffen, bei Pandemien sogar weitaus mehr. Eine Forschergruppe hat nun die Einflussnahme von Grippeerkrankungen auf die Entwicklung von Zöliakie bei Kindern und Erwachsenen näher untersucht. In einer Sekundäranalyse wurde außerdem das Risiko für eine Zöliakieerkrankung nach einer pandemischen Grippeimpfung berechnet. Dazu wurden im Zeitraum 2006 bis 2014 in einer landesweiten registerbasierten Kohortenstudie Daten von über zwei Millionen Norwegern, die zwischen 1967 und 2013 geboren wurden, über das Auftreten einer oder mehrerer Grippeerkrankungen, über Grippepandemie-Impfungen und über eine sich möglicherweise entwickelte Zöliakie erhoben und anschließend analysiert. In dem genannten Zeitraum erkrankten 13 % der Studienpopulation an Grippe. Die Studienergebnisse zeigen, dass das Risiko, nach mindestens einer vorangegangenen Grippe an Zöliakie zu erkranken, erhöht war. Die Wahrscheinlichkeit, mit der ein zuvor an saisonaler Grippe erkrankter Proband im Studienzeitraum an Zöliakie erkrankte, war um rund 1,4 % höher (68/100.000 Personenjahre) im Vergleich zu denjenigen, die nicht an Grippe erkrankt waren (55/100.000 Personenjahre). Bei Probanden mit pandemischer Influenza lag die Inzidenz bei 78/100.000 Personenjahren. Die Zeitspanne zwischen der Grippe- und der Zöliakie-Diagnose lag bei 37,8 Monaten. Die ermittelten Zusammenhänge unterschieden sich zwischen Erwachsenen und Kindern und innerhalb der Geschlechter nicht signifikant.

Die Ergebnisse zeigten außerdem, dass während 13.011.323 Personenjahren der Nachuntersuchung bei 7.321 Personen eine Zöliakie diagnostiziert wurde (56/100.000 Personenjahre). 351.666 Grippe-Diagnosen wurden gestellt, einschließlich 82.980 Diagnosen während der Grippe-Pandemie in den Jahren 2009 und 2010. Insgesamt 969.968 Personen waren gegen Grippe geimpft. Aus den erhobenen Daten konnte insgesamt kein Zusammenhang zwischen einer Pandemie-Impfung und einer Zöliakie bestätigt werden. Es wurde jedoch zusammenfassend geschlussfolgert, dass eine positive Assoziation zwischen einer Zöliakie-Diagnose im Anschluss an eine Influenza-Diagnose besteht.

Quelle:
Influenza and risk of later celiac disease: a cohort study of 2.6 million people
L. L. Kårhus, N. Gunnes, K. Størdal, I. J. Bakken, G. Tapia, L. C. Stene, S. E. Håberg, K. Mårild
Scandinavian Journal of Gastroenterology. 2018; 53 (1): 15-23. doi.org/10.1080/00365521.2017.1362464