Zöliakie wird schon seit längerem mit einem erhöhten Risiko für geringere Fruchtbarkeit oder Fehl- und Totgeburten in Zusammenhang gebracht. Frühere Studien kamen zu dem Schluss, dass an Zöliakie erkrankte Frauen unter anderem ein höheres Risiko für verfrühte Menopausen, niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburten oder Totgeburten haben. Die Mechanismen, welche dies verursachen könnten, wurden bis jetzt nur wenig erforscht.

Dänische Wissenschaftler haben in einer aktuellen Studie den Zusammenhang von nicht diagnostizierter Zöliakie und dem Schwangerschaftsverlauf bei Frauen analysiert. Für ihre landesweite Kohortenstudie griffen sie auf die Daten von dänischen Gesundheitsregistern zurück. Diese Register enthalten Informationen aus Krankenakten, unter anderem auch über den Zeitpunkt der Zöliakie-Diagnose. Daten über alle Lebend- und Totgeburten wurden aus dem Danish Medical Birth Register gezogen. Die Wissenschaftler analysierten die Daten von insgesamt 6.319 dänischen Frauen, bei denen zwischen 1977 und 2016 Zöliakie diagnostiziert wurde. Die Ergebnisse verglichen sie mit einer Kontrollgruppe von 63.166 Frauen ohne Zöliakie. Alle Frauen waren im untersuchten Zeitraum zwischen 15 und 50 Jahre alt. In diesem Altersabschnitt wurde auch bei der Mehrheit der Frauen (60,3 %) Zöliakie diagnostiziert. Nur bei 15 % fand die Diagnose bereits in der Kindheit statt.

In ihrer Auswertung konnten die Wissenschaftler keinen Unterschied in der Schwangerschaftsrate oder dem Anteil an Lebendgeburten zwischen den beiden Gruppen feststellen. Die Zahl der Schwangerschaften in den beiden Kohorten war ähnlich (1,1 Schwangerschaften pro Frau) und auch das durchschnittliche Alter bei der ersten Schwangerschaft war ungefähr gleich.

Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass Frauen mit nicht diagnostizierter Zöliakie ein erhöhtes Risiko für spontane Fehlgeburten haben. Im Zeitraum von 0 bis 2 Jahren vor der Diagnose traten im Vergleich zur Kontrollgruppe 2,5 % weniger Schwangerschaften auf. In der Folge war die Rate der Lebendgeburten signifikant reduziert. Dieses Ergebnis stützt die These einer früheren Studie, die zu einem ähnlichen Ergebnis kam. Weiterhin konnten die Forscher feststellen, dass bei nicht diagnostizierter Zöliakie die Risiken für Tod- oder Fehlgeburten signifikant erhöht waren.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine nicht diagnostizierte Zöliakie einen negativen Einfluss auf den Verlauf der Schwangerschaft haben könnte. Die Forscher kamen aber auch zu dem Ergebnis, dass dieses Risiko nach der Diagnose und der Einleitung entsprechender Maßnahmen wie eine glutenfreie Ernährung zu verschwinden scheint. Die Ergebnisse der Studien zeigten weiterhin, dass eine nicht behandelte Zöliakie die weibliche Reproduktionsfähigkeit beeinflussen kann und daher früh diagnostiziert werden sollte.

Quelle:
Reproductive life in women with celiac disease; a nationwide, populationbased matched cohort study
L. Grode, B.H. Bech, O. Plana-Ripoll, M. Bliddal, I.E. Agerholm, P. Humaidanand C.H. Ramlau-Hansen
Human Reproduction, Vol.33. 2018; doi:10.1093/humrep/dey214