Personen mit Zöliakie oder Typ-1-Diabetes haben Studien zufolge hohe Antikörpertiter gegen Kuhmilchproteine. Die Vermeidung einer kuhmilchbasierten Säuglingsnahrung zum Abstillen von Kindern mit genetischer Anfälligkeit für Typ-1-Diabetes reduzierte in einer Studie die kumulative Inzidenz von Diabetes-assoziierten Autoantikörpern. Basierend auf diesen Erkenntnissen wurde nun anhand der selben Studienpopulation geprüft, ob das beschriebene Vorgehen ebenfalls das Risiko für Zöliakie reduziert. Insgesamt wurden 230 Säuglinge mit genetischen Risikofaktoren für Diabetes und Zöliakie untersucht und zufällig in Gruppen eingeteilt. Die Versuchsgruppe wurde mit einem Kaseinhydrolysat (einem speziellen Aminosäurengemisch) (n = 113) und die Kontrollgruppe mit einer konventionellen kuhmilchbasierten Säuglingsnahrung (Kontrolle, n = 117) gefüttert. Über einen Zeitraum von zehn Jahren wurden Serumproben gesammelt und hinsichtlich verschiedener Parameter, unter anderem Antikörper gegen Gewebstransglutaminase (anti-TG2A), analysiert. Die Gewebstransglutaminase ist das Antigen des Endomysiums, welches die Schicht aus Bindegewebe bezeichnet, die die einzelnen Muskelfasern eines Skelettmuskels oder die einzelnen Fasern einer glatten Muskulatur umgibt. Anti-TG2A werden bei Patienten mit Zöliakie, Diabetes, entzündlichen Darmerkrankungen und verschiedenen Formen von Arthritis nachgewiesen. Bei regelmäßigen Biopsien wurde darauf geachtet, ob die anti-TG2A-Werte einen gewissen Schwellenwert überschritten. Bei diesen Säuglingen wurde ein erhöhtes Risiko für eine Zöliakie-Diagnose erwartet. Kuhmilchantikörper wurden während der ersten zwei Lebensjahre gemessen.

Die Ergebnisse zeigten keine Hinweise darauf, dass das Abstillen von Kindern mit hypoallergener Säuglingsnahrung im Vergleich zum Abstillen mit einer herkömmlichen kuhmilchbasierten Nahrung das Risiko für Zöliakie im späteren Leben verringert. Nur 13,2 % der auf anti-TG2A getesteten Säuglinge waren anti-TG2A-positiv. Bei nur zehn der 230 Säuglinge wurde Zöliakie diagnostiziert. Es wurden außerdem keine signifikanten Unterschiede bei der kumulativen Inzidenz von anti-TG2A und Zöliakie in den mit Kaseinhydrolysat und konventioneller kuhmilchbasierter Säuglingsnahrung abgestillten Gruppen gefunden. Ein weiteres, grundlegendes Ergebnis zeigte, dass Kinder, die Zöliakie entwickelten, bereits vor dem Auftreten erhöhter Werte von anti-TG2A und/oder Zöliakie erhöhte Antikörpertiter gegen Kuhmilchproteine aufwiesen. Insgesamt weisen die Studienergebnisse also darauf hin, dass das Abstillen von Kindern mit genetischer Anfälligkeit für Zöliakie mittels hypoallerger Säuglingsnahrung nicht dazu beitragen konnte, das Risiko für das Auftreten von Zöliakie zu verringern.

Quelle:
Avoidance of Cow's Milk–Based Formula for At-Risk Infants Does Not Reduce Development of Celiac Disease: A Randomized Controlled Trial M. Hyvtinen, E. Savilahti, S. M. Virtanen, T. Härkönen, J. Ilonen, K. Luopajärvi, R. Uibo, O. Vaarala, H. K. Åkerblom, M. Knip Gastroenterology. 2017; 153: 961–970. dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2017.06.049