Luftschadstoffe erhöhen das Allergierisiko im ersten Lebensjahr

Besonders im städtischen Bereich haben Allergien in den vergangenen Jahren nachweislich zugenommen. Wissenschaftler der Canadian Healthy Infant Longitudinal Development Study (CHILD) untersuchten nun, ob die durch den Straßenverkehr bedingte Luftverschmutzung Einfluss auf das Allergierisiko von Kindern haben könnte. Dazu wurden Daten zur Luftverschmutzung erhoben und mit der Entwicklung von Allergien im Kindesalter in Beziehung gesetzt. Zusätzlich wurden über einen Fragebogen, ausgefüllt durch die Eltern, sozioökonomische, genetische und ernährungsbedingte Einflussfaktoren evaluiert.

Insgesamt wurden 3.500 Kinder aus vier großen Städten Kanadas seit der Schwangerschaft ihrer Mütter beobachtet. Im Alter von einem Jahr wurde bei 2.477 Kindern ein Prick-Test auf zehn häufige Allergene (u. a. Tierhaare, Milben, Schaben, Schimmelpilze, Milch, Ei, Soja und Erdnüsse) durchgeführt.

Bei 400 der 2.477 getesteten Kinder wurde im Prick-Test eine Sensibilisierung gegenüber mindestens einem Allergen festgestellt. Von ihnen zeigten 12,5 % eine Sensibilisierung gegenüber einem Nahrungsmittel und 5,3 % gegenüber einem Inhalationsallergen.

Kinder, die im Alter von einem Jahr keine Anzeichen für eine Allergie aufwiesen, verzehrten mehr Eier, Nüsse, Erdnüsse und Getreideprodukte als diejenigen, die von einer Allergie betroffen waren. Auch das Aufwachsen mit einem Haustier wies ein gemindertes Allergierisiko der Kinder auf. Der Besuch von Krabbelgruppen zeigte ebenfalls protektive Effekte auf das Risiko einer Sensibilisierung der Kinder, was die Wissenschaftler auf die erhöhte Exposition des Immunsystems mit Allergenen zurückführten.

Im Anschluss an diese Erhebungen setzten die Wissenschaftler die Ergebnisse des Prick-Tests mit Daten der Stickstoffdioxidbelastung am Wohnort in Beziehung. Die Stickstoffbelastungen reichten in den verschiedenen Städten von 9,9 bis 28 µg/m3. Die Wahrscheinlichkeit, im Alter von einem Jahr eine Allergie zu entwickeln, nahm bei einer Erhöhung der Stickstoffdioxidbelastung von 10 µg/m3 um 16 % zu. Für Kinder, die zu Hause betreut wurden, stieg das Sensibilisierungsrisiko sogar um 61 % bei einer Zunahme der Stickstoffbelastung um 10 µg/m3.

Die Studienergebnisse zeigen, dass u. a. Umweltschadstoffe das Allergierisiko von Kindern erhöhen können. Da eine genetische Prädisposition für Allergien nicht beeinflusst werden kann, sollten Eltern von Kindern mit erhöhtem Allergierisiko insbesondere die Lebensverhältnisse anpassen.

Quelle: H. Sbihi et al., Perinatal Exposure to Traffic-Related Air Pollution and Atopy at 1 Year of Age in a Multi-Center Canadian Birth Cohort Study, Environmental Health Perspective, März 2015, http://ehp.niehs.nih.gov/1408700/