Stillen verringert das Risiko für Typ-2-Diabetes

Es ist bekannt, dass sich Stillen positiv auf das Kind auswirkt. Während der Schwangerschaft verändert sich der Metabolismus der Mutter, um sicherzustellen, dass der Fötus ausreichend versorgt ist. Nach der Geburt normalisiert sich der Stoffwechsel wieder. Welchen Einfluss das Stillen auf die Stoffwechsellage hat, wurde bislang nur wenig erforscht.

In der aktuellen Studie wurde untersucht, wie sich Stillen auf das Risiko der Mütter an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken auswirkt. Die von vorwiegend deutschen Wissenschaftlern durchgeführte Studie umfasste die Untersuchung von 1262 Müttern im Alter zwischen 35 und 64 Jahren. Diese Langzeit-Beobachtungsstudie wurde zwischen 1994 und 2005 durchgeführt. Anhand von Fragebögen erfassten die Wissenschaftler Daten zur Stilldauer und zum Lebensstil. Darüber hinaus wurden zu Beginn der Studie die Körpermaße erfasst und Blutproben wurden auf relevante Stoffwechselparameter und Entzündungsmarker untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass stillende Mütter meist älter und verheiratet sind und außerdem einen höheren Bildungsgrad aufweisen. Eine längere Stilldauer von mehreren Monaten wurde insbesondere bei Müttern beobachtet, die Sport trieben und gar nicht oder nur wenig rauchten. Die Berufstätigkeit und die Ernährung zeigten keinen Einfluss auf die Länge der Stilldauer.

Die weitere Auswertung zeigte, dass stillende Mütter mit einer mindestens sechsmonatigen Stilldauer im Vergleich zu nicht-stillenden Frauen ein signifikant verringertes Risiko aufwiesen an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Das Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken, sank weiterhin in Abhängigkeit zu der Anzahl der gestillten Kinder. Lange Stillzeiten zeigten einen günstigen Einfluss auf das Körpergewicht der Mütter. Der zu Beginn der Studie ermittelte Body-Mass-Index der Frauen konnte den Zusammenhang zwischen der Stilldauer und dem Risiko an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken nur zum Teil erklären.

Eine mögliche Erklärung der positiven Effekte des Stillens lieferte die serologische Untersuchung des Blutes. Es zeigte sich, dass längere Stillzeiten mit einem besseren Stoffwechselprofil in Verbindung gebracht werden konnten. Frauen, die länger stillten, hatten signifikant bessere Blutfettwerte und einen höheren Adiponektin-Spiegel. Adiponektin ist ein Gewebshormon mit vielfältigen Wirkungen auf den Lipid- und Glukosestoffwechsel. Dieses Hormon erhöht insbesondere die Insulinsensitivität.

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass eine Risikobeziehung zwischen der Stillzeit und einem reduzierten Risiko an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken vorhanden sein könnte. Die Rolle des Körpergewichts ist ungewiss, allerdings wiesen Mütter, die gestillt haben, ein besseres metabolisches Profil auf als Frauen, die nicht gestillt haben. Somit profitieren nicht nur Kinder von der Muttermilch, sondern auch die Mütter selbst.

Quelle: S. Jäger et al.: Breast-feeding and maternal risk of type 2 diabetes: a prospective study and meta-analysis, Mai 2014, Diabetologia (ehead of print) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24789344