Erdnussallergie: Ist eine orale Immuntherapie schon bereit für die Praxis?

Die Prävalenz einer Erdnussallergie hat sich in den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Ländern in den letzten 15 Jahren verdreifacht und betrifft heute mehr als 1 % der Bevölkerung. Ein strikter Ausschluss von Erdnüssen aus der Ernährung ist die derzeitige Behandlungsform. In der Vergangenheit haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Betroffene durch eine orale Immuntherapie (OIT) profitieren könnten. Nun stellt sich die Frage: Ist eine OIT bereit für die klinische Praxis?

Im aktuellen Review wurden die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien im Hinblick auf die Wirkungen einer oralen Immuntherapie bei Menschen mit einer Erdnussallergie untersucht. Anders als bei einer Kuhmilcheiweißallergie oder einer Hühnereieiweißallergie, die häufig Kindern betreffen und mit dem Alter meist wieder verschwinden, ist eine Erdnussallergie beständiger und begleitet Betroffene meist ein ganzes Leben. Um die Gefahr eines allergischen Schocks bei versehentlichem Verzehr von Erdnüssen zu verringern, suchen Forscher nach Möglichkeiten, Betroffenen das Leben zu erleichtern. Zahlreiche wissenschaftliche Studien befassten sich mit den Wirkungen einer OIT und zeigten vielversprechende Resultate. Viele der Teilnehmer konnten nach der Therapie eine gewisse Dosis an Erdnussprotein tolerieren, wodurch die Angst vor einem allergischen Schock verringert und damit die Lebensqualität deutlich verbessert wurde. Allerdings waren die Studien in ihrem Design sehr verschieden und dadurch in der Qualität ihrer Aussagen sehr unterschiedlich zu bewerten.

In einer randomisiert placebokontrollierten Studie mit 28 Kindern (1-16 Jahre), davon 19 mit einer Allergie gegen Erdnüsse, die restlichen 9 ohne Allergie, konnten 16 der allergischen Kinder nach einer langsamen Steigerung der Dosis an Erdnussprotein, dieses bis zu einer Maximaldosis von 5000 mg tolerieren. Zudem zeigte sich, dass die Schwere der allergischen Reaktionen über diesen Zeitraum abnahm. Ob diese Toleranz über einen längeren Zeitraum oder lebenslang anhält, kann beim aktuellen Wissensstand noch nicht geklärt werden. Zahlreiche andere Wissenschaftliche Studien bestätigen diese Ergebnisse, allerdings wurden diese häufig über einen zu kurzen Zeitraum oder ohne Kontrollgruppe durchgeführt.

Obwohl eine OIT erfolgsversprechend erscheint, sind die derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich Effektivität, Risiko-Nutzen-Verhältnis und möglichen langfristigen Konsequenzen unzureichend, so dass ein klinischer Einsatz noch nicht unterstützt werden kann. Um die Sicherheit und Effektivität einer oralen Immuntherapie bewerten zu können, müssten zunächst prospektive klinische Studien durchgeführt werden.

Quelle: Simpson, H.A. (2013): Peanut Oral Immunotherapy: Is It Ready for Clinical Practice? The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice, Vol 1, Issue 1, pp 15-21.