Eine frühe Erdnuss-Exposition kann vor der Entstehung einer Erdnussallergie schützen

Die Prävalenz von Erdnussallergien ist in den letzten Jahren stark gestiegen und betrifft 1,4 bis 3 % der Bevölkerung. Eine Allergie gegen Erdnüsse entwickelt sich bereits in den ersten Lebensjahren und stellt für die Betroffenen meist einen hohen Leidensdruck dar.

Eine aktuelle Studie hat die Auswirkungen des frühen Verzehrs von Erdnüssen auf das spätere Allergierisiko untersucht. Bislang empfehlen Leitlinien zur klinischen Praxis bei Vorliegen eines Allergierisikos auf Erdnüsse, auf den Konsum dieser während der Schwangerschaft und im Kleinkindalter zu verzichten. Allerdings konnte eine bereits durchgeführte Studie den Zusammenhang zwischen einem Verzicht auf Erdnüsse und einer Verminderung des Allergierisikos nicht belegen.

Die US-amerikanischen Wissenschaftler der aktuellen Studie wiesen nach, dass jüdische Kinder in London, die im ersten Lebensjahr keine erdnusshaltigen Nahrungsmittel verzehrten, zehnmal häufiger an einer Erdnussallergie erkrankten als jüdische Kinder in Israel, die erdnusshaltige Snacks aßen. Daher vermuteten die Forscher, dass der regelmäßige Verzehr von erdnusshaltigen Produkten in der frühen Kindheit eine schützende Immunantwort statt einer allergischen Immunreaktion hervorrufen könnte.

Insgesamt nahmen 640 Säuglinge im Alter zwischen 4 und 11 Monaten an der randomisierten open-label Studie teil. Alle Kinder litten an Neurodermitis und/oder an einer Eiweißallergie. Kinder, die in Folge eines Prick-Tests mehr als 4 Millimeter große Quaddeln nach Kontakt mit Erdnussprotein auf der Haut zeigten, wurden von der Teilnahme der Studie ausgeschlossen. 98 Kinder, bei denen sich Quaddeln von 1 bis 4 Millimetern gebildet hatten, konnten hingegen teilnehmen.

Die Kinder wurden in 2 Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt regelmäßig erdnusshaltige Snacks mit einer Dosis von bis zu 6 Gramm Erdnussprotein pro Woche, verteilt auf mehrere Tage. In der anderen Gruppe wurden Erdnüsse komplett vermieden. Bis zum Alter von 5 Jahren beobachteten die Forscher die Allergieentwicklung in beiden Gruppen. Innerhalb der Studie wurde regelmäßig ein Prick-Test sowie eine serologische Untersuchung auf erdnussspezifisches IgE, IgG und IgG4 durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig. Von den Kindern, die Erdnüsse mieden und zu Beginn der Studie einen negativen Prick-Test aufwiesen, entwickelten 13,7 % bis zum Alter von 5 Jahren eine Erdnussallergie. Jedoch nur 1,3 % der Kinder, die erdnusshaltige Snacks erhielten, zeigten allergische Reaktionen. Der regelmäßige Konsum von erdnusshaltigen Produkten konnte bei Säuglingen in den ersten 11 Lebensmonaten die Entstehung einer Allergie signifikant um 86,1 % reduzieren. Auch bei Kindern, die zu Beginn der Studie ein positives Prick-Test-Ergebnis aufwiesen, verringerte sich das Risiko durch die Exposition mit Erdnussprodukten. Während 35,3 % der Kinder, die auf Erdnüsse verzichteten, eine Allergie entwickelten, konnte eine solche bei nur 10,6 % der Kinder nachgewiesen werden, die Erdnüsse regelmäßig verzehrten. Eine Untersuchung des Blutes und der durchgeführte Prick-Test bestätigten die Ergebnisse des oralen Belastungstestes.

Die Empfehlungen zum Konsum von Erdnüssen sollten hinsichtlich der Allergieentwicklung überdacht werden. Laut der Wissenschaftler sollte nun in weiteren Studien herausgefunden werden, ob der Schutz vor einer Erdnussallergie durch den frühen und regelmäßigen Konsum der erdnusshaltigen Snacks als nachhaltig eingeschätzt werden kann. Möglicherweise könnten noch bessere Erfolge erzielt werden, wenn den Kindern die optimale Dosis an Erdnussprotein verabreicht werden würde. Allerdings sollten solche Tests nicht im Alleingang durchgeführt werden, da der Konsum von Erdnüssen auch zu schwerwiegenden Reaktionen bei Allergikern führen kann.

Quelle: Du Toit et al: Randomized Trial of Peanut Consumption in Infants at Risk for Peanut Allergy, New England Journal of Medicine, Februar 2015, Vol. 372, No. 9, pp 803-813, www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1414850