Fructosemalabsorption: Glucose verbessert die Fructoseaufnahme

Ein US-Forscherteam ging der Frage nach wie sich der Verzehr von Fructose mit und ohne gleichzeitige Glucoseaufnahme bei Betroffenen auswirkt. Bisherigen Studien lag meist die Hypothese zugrunde, dass die Fructoseverträglichkeit in der Bevölkerung abnimmt. Um diese Vermutung zu untersuchen, werteten die Wissenschaftler Daten aus 21 bereits veröffentlichten Studien aus und fassten die Ergebnisse in einem aktuellen Review zusammen.

Die Auswertung ergab, dass große individuelle Unterschiede innerhalb der Bevölkerung existieren, was die Verträglichkeit von Fructose angeht. Zusätzlich scheint die Fructoseaufnahme dosisabhängig zu sein. So variierte die Absorptionsrate von reiner Fructose bei verschiedenen Probanden zwischen 5 und 50 Gramm. Klinischen Studien zufolge sind bis zu 50 Prozent der US-Bevölkerung nicht in der Lage, 25 Gramm reine Fructose zu resorbieren. Bei 50 Gramm reiner Fructose konnten 80 Prozent der gesunden Kontrollgruppe nicht die gesamte Fructose absorbieren. Wird die persönliche Aufnahmefähigkeit des Darms überschritten, folgt eine unvollständige Fructoseresorption. In diesem Fall zeigen sich bei Gesunden ebenfalls die typischen Symptome einer Fructosemalabsorption.

Bei Verdacht auf eine Fructosemalabsorption wird zur Diagnose ein Wasserstoffatemtest durchgeführt, wobei die Wasserstoffkonzentration der Atemluft gemessen wird. Bei gesunden Menschen wird Fructose über ein Transportsystem namens GLUT 5 aus dem Dünndarm resorbiert. Dieses ist bei Betroffenen gestört, wodurch Fructose den Dickdarm erreicht und dort von Bakterien zu Wasserstoff, Methan, Kohlenstoffdioxid und kurzkettigen Fettsäuren abgebaut wird. Der entstandene Wasserstoff wird vom Körper aufgenommen und über die Lunge abgeatmet und die Konzentrationen können gemessen werden. Die Menge des aufgenommenen und abgeatmeten Wasserstoffs ist abhängig von der Menge an Fructose, die in den Dickdarm gelangen. Steigt die Wasserstoffkonzentration über einen bestimmten Grenzwert an und liegen Magen-Darm Symptome vor, gilt die Diagnose Fructosemalabsorption als gesichert.

Die amerikanischen Wissenschaftler kritisieren an dieser Diagnosemethode, dass mit reiner Fructose (Lösung aus 25 Gramm auf 250 Milliliter Wasser) getestet wird, wohingegen im Alltag die Verträglichkeit immer abhängig ist von dem Glucosegehalt im jeweiligen Lebensmittel. Schätzungen* zufolge liegt die aktuelle Fructoseaufnahme in der US-Bevölkerung bei rund 49 Gramm pro Tag. Junge Männer (15-18 Jahre) haben mit 75 Gramm durchschnittlich die höchste Aufnahme, hingegen zeigen ältere Erwachsene (51+ Jahre) mit 30-40 Gramm Fructose am Tag den niedrigsten Konsum. Die vertragenen täglichen Mengen sind demnach wesentlich höher als die Dosis, die bei einem Wasserstoffatemtest eingesetzt wird. Die Erklärung ist, dass im Alltag rund 64-95 Prozent der Fructose aus Lebensmitteln und Getränken stammen und in Form von Saccharose oder Fructose-Glucose-Sirup in diesen enthalten sind. Beide Verbindungen beinhalten neben Fructose auch Glucose. Diese Kombination verursacht meist keine Beschwerden, da Glucose die Fructoseresorption begünstigt. Die Forscher stellten bei ihrer Auswertung fest, dass selbst Lebensmittel mit einem höheren Anteil an Fructose als Glucose in der Regel gut vertragen werden, sofern sie Bestandteil einer Mahlzeit sind.

Da reine Fructose auch bei gesunden Menschen häufig zu Magen-Darm-Beschwerden führt, kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass es in Zukunft sinnvoller sei, eine neue Diagnosemethode zu entwickeln. Um die Fructoseverträglichkeit durch den Verzehr von Lebensmitteln ermitteln zu können und somit besser realistischen Alltagsbedingungen zu entsprechen und gleichzeitig die individuelle Aufnahmefähigkeit des Darms zu beurteilen.

*Schätzwerte stammen aus der National Health and Nutrition Examination Survey 1999-2004 (http://www.cdc.gov/nchs/nhanes.htm)
 Quelle: Marie E. Latulippe / Suzanne M. Skoog (2011): Fructose Malabsorption and Intolerance: Effects of fructose wich and without Simultaneous Glucose Ingestion, Critical Reviews in Fod Science and Nutrition, 51:7, 583-592 (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=Quelle