Diabetes, Prä-Diabetes und das Risiko für Polyneuropathien

Polyneuropathien sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Diabetes mellitus Typ 2-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken. Deutschen Forschern zufolge könnte dies auch für Patienten in einem Prä-Diabetes-Stadium gelten.

Bei Polyneuropathien sind periphere Nerven geschädigt, also Nerven, die außerhalb Gehirn und Rückenmark liegen. Typische Symptome sind Empfindungen wie Kribbeln und gestörte Temperaturwahrnehmungen und im weiteren Verlauf Sensibilitätsstörungen (Berührungsunempfindlichkeit, herabgesetztes Vibrationsempfinden). Betroffen sind in erster Linie körperferne Körperteile, also Füße und Hände.

Es ist bekannt, dass Diabetes mellitus Typ-2-Patienten ein höheres Krankheitsrisiko haben. Ob eine Nervenschädigung bereits im Prä-Diabetes-Stadium besteht, haben deutsche Forscher anhand von Daten der „Kooperativen Gesundheitsforschung in der Region Augsburg“ (KORA-Studie, S4 Survey 2006-2008) untersucht. 1.100 Probanden im Alter von 61 bis 82 Jahren wurden in die Analyse einbezogen. 177 wussten bereits, dass sie an Diabetes mellitus Typ 2 litten. Der Rest unterzog sich einem oralen Glukose-Toleranztest (WHO-Kriterien), woraufhin die Teilnehmer in Gruppen eingeteilt wurden:

·   Normale Glukosetoleranz                                 577

·   Gestörte Glukosetoleranz (IGT)                       183
    Erhöhte Blutzuckerwerte 2 Stunden nach der Glukose-Testdosis

·   Abnormer Nüchternglukosespiegel (IFG)           55
    Erhöhte Nüchternglukosespiegel

·   Prä-Diabetes (IGT + IFG)                                   46

·   Diabetes mellitus Typ 2                                     62

Eine Polyneuropathie wurde durch reduziertes Vibrationsempfinden und/ oder eine gestörte Druckempfindlichkeit am Fuß festgestellt.

Das Resultat: Die Prävalenz für eine Polyneuropathie war in der Prä-Diabetes-Gruppe ähnlich wie in der Gruppe mit bekanntem Diabetes mellitus (24 % vs. 22 %). Die Wahrscheinlichkeit, an einer Polyneuropathie zu erkranken, war in der Gruppe IGT+IFG 2,8-mal höher und in der Diabetesgruppe 1,5-mal höher als bei Probanden mit normaler Glukosetoleranz. Dagegen beeinflussten eine gestörte Glukosetoleranz  und ein abnormer Nüchternglukosespiegel isoliert betrachtet das Risiko nicht.

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass vor allem ein hoher Glukosespiegel 2 Stunden nach Aufnahme der Glukose-Testdosis bzw. nach einem Essen das Risiko entscheidend beeinflussen könnte.

Quelle: Bongaerts BW. et al.:Postchallenge hyperglycemia is positively associated with diabetic polyneuropathy: the KORA F4 study Diabetes Care. 2012 Sep;35(9):1891-3
 
(http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22751964 )