Kognitive Störungen bei Zöliakie?

In vielen Ländern sind über ein Prozent der Erwachsenen von Zöliakie betroffen. Neben den typischen Symptomen des Darms berichten Patienten mit unbehandelter Zöliakie auch über verschiedenste neurologische Beeinträchtigungen. Bisher gibt es nur wenige Studien, die den Zusammenhang zwischen der kognitiven Funktion und dem Vorliegen einer Zöliakie erforscht haben, jedoch weisen alle Ergebnisse auf eine mögliche Beziehung hin.

Eine aktuelle Pilotstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen einer unbehandelten Zöliakie und neurologischen Funktionen. Dazu beobachtete ein Team australischer Wissenschaftler elf Probanden mit aktuell diagnostizierter Zöliakie über einen Zeitraum von einem Jahr. Zu Beginn der Studie, nach drei Monaten und nach einem Jahr wurden verschiedene psychologische Tests durchgeführt. Mithilfe dieser Tests wurden motorische und räumlich-visuelle Fähigkeiten, der Sprachfluss sowie die Geschwindigkeit und Effizienz des Gedächtnisses überprüft. Außerdem erfolgten eine histologische Untersuchung des Darms zur Klassifizierung des Stadiums der Zöliakie und eine serologische Analyse des Zöliakiemarkers Gewebetransglutaminase (tTG).

Wie erwartet zeigten die Patienten eine Verbesserung des Darmzustands nach Beginn der glutenfreien Diät. Der Serumspiegel der tTG sank bei jedem Patienten signifikant, bei sieben Patienten normalisierte sich dieser innerhalb eines Jahres. Diese Ergebnisse wurden durch die histologische Untersuchung des Darms bestätigt. Zu Beginn der Studie wiesen die Patienten verminderte kognitive Fähigkeiten auf, die sich im Studienverlauf deutlich verbesserten. Nach einem Jahr absolvierten die Probanden vier der acht durchgeführten psychologischen Tests mit deutlich besseren Ergebnissen, bei den restlichen vier zeigte sich sogar eine statistisch signifikante Verbesserung. Laut der Wissenschaftler stehen diese positiven Ergebnisse im Zusammenhang mit einer Abheilung der Darmschleimhaut.

Ein Grund für die Abnahme der kognitiven Fähigkeiten könnte die Malabsorption von Nährstoffen sein. Innerhalb dieser Studie gab es jedoch keine Korrelation zwischen kognitiven Testleistungen und dem Serumspiegel von Vitamin B12, Vitamin D und Eisen. Außerdem könnte eine erhöhte Ausschüttung von Zytokinen, die ebenfalls in Verbindung mit Wahrnehmungsstörungen stehen, für die kognitiven Einschränkungen verantwortlich sein. Die Steigerung der neurologischen Fähigkeiten könnte allerdings auch in direktem Zusammenhang mit dem Verzicht auf Gluten stehen. Verschiedene Studien liefern zudem Hinweise darauf, dass Gluten den Serotoninspiegel im Gehirn senken könnte. Weiterhin führt der Verzicht auf Gluten zu Veränderungen der Darmflora, was möglicherweise auch eine Verhaltensänderung begünstigen könnte.

Um den Mechanismus hinter den kognitiven Beeinträchtigungen jedoch genau zu entschlüsseln, sollten weitere Studien durchgeführt werden. Trotz der geringen Teilnehmerzahl deuten die Studienergebnisse auf die Bedeutung einer glutenfreien Diät bei Zöliakiebetroffenen hin − nicht nur für die körperliche Gesundheit, sondern auch für das Geisteswohl.

Quelle: I. T. Lichtwark et al.: Cognitive impairment in coeliac disease improves on a gluten-free diet and correlates with histological and serological indices of disease severity, Aliment Pharmacol Ther., Juli 2014, Volume 40, Issue 2, pp 160-170, www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24889390