Zöliakie: Hakenwürmer könnten helfen

Für Patienten, die unter Zöliakie leiden, ist ein strikter Verzicht auf Gluten unumgänglich. Kleinste, meist unbeabsichtigt aufgenommene Glutenmengen können zu Bauchkrämpfen, Durchfällen und Erbrechen führen. In Industrieländern tritt Zöliakie wesentlich häufiger auf als in Schwellenländern. Als ein möglicher Grund wird das häufigere Vorkommen von Infektionen mit Darmparasiten in den Schwellenländern vermutet. Im Vorfeld durchgeführte Studien lieferten Hinweise darauf, dass Hakenwürmer, die den Darm besiedeln, einen antiinflammatorischen Einfluss haben. Laut Theorie einer australischen Forschergruppe könnten immunologische Prozesse im Darm zu einer gesteigerten Toleranz gegenüber Gluten führen.

An einer kleinen Gruppe von zwölf Zöliakiepatienten untersuchten die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Hakenwürmern im Darm und der tolerierten Menge an Gluten. Jeder Proband wurde zu Beginn der Studie mit 20 Larven des Hakenwurms infiziert. Im Anschluss ernährten sich die Probanden zwölf Wochen wie gewohnt glutenfrei. Um den Anteil von Gluten in der Nahrung schrittweise zu erhöhen, nahmen die Teilnehmer danach über einen Zeitraum von zwölf Wochen täglich eine Menge von bis zu 50 mg Gluten zu sich, gefolgt von 1 g Gluten pro Tag über einen weiteren Zeitraum von zwölf Wochen. Nach einer zehnwöchigen glutenfreien Ernährung erhielten acht der Probanden eine tägliche Menge von bis zu 3 g Gluten in Form von Spaghetti. Die Wissenschaftler kontrollierten innerhalb dieses Jahres die Symptomatik, Darmhistologie und T-Zellen im Darm der Patienten. Alle acht Teilnehmer konnten die Dosis von 3 g Gluten pro Tag vertragen. Die Symptome der Zöliakie verschlechterten sich dabei nicht. Die histologische Untersuchung konnte keine strukturellen Schäden des Darms feststellen. Bei ähnlich angelegten Studien, in denen die Probanden nicht mit Hakenwürmern infiziert wurden, zeigten sich hingegen starke Schädigungen des Dünndarms. Die Konzentration an T-Zellen im Darm blieb konstant. Allerdings veränderte sich die Menge an proinflammatorischen T-Zellen hin zu einer größeren Menge an antiinflammatorischen Lymphozyten. Darüber hinaus wurde anhand von Fragebögen die Lebensqualität der Pobanden bewertet. Diese stieg laut der Befragung signifikant, so dass sämtliche Teilnehmer eine Behandlung zur Bekämpfung der Hakenwürmer ablehnten.

Die Infektion mit Hakenwürmern führte zu einer deutlichen Verbesserung der Verträglichkeit gegenüber Gluten. Schwangere und Menschen mit einer Unterernährung sollten jedoch auf diese Therapieform verzichten. Die in der Studie verabreichten Dosen von maximal 3 g Gluten entsprechen nicht der Menge an aufgenommenem Gluten in der normalen Ernährung (10-40 g Gluten pro Tag). Würden sich die Erfolge aus der Studie durch eine Kombination aus einer Immuntherapie und der Infizierung mit Hakenwürmern auf eine größere Gruppe von Zöliakiepatienten übertragen lassen, könnte diese Methode zumindest einen Schutz vor unbeabsichtigt aufgenommenen kleineren Glutenmengen bieten. Die Forscher vermuten, dass die Darmparasiten Proteine sekretieren, die für die schützende Funktion im Darm verantwortlich sein könnten. Zukünftige Untersuchungen sollten diese Proteine gezielt identifizieren, um sie therapeutisch nutzbar zu machen.

Quelle: Croese J. et al. (2014): Experimental hookworm infection and gluten microchallenge promote tolerance in celiac disease, The Journal of Allergy and Clinical Immunology, Article in press, www.jacionline.org/article/S0091-6749%2814%2901010-0/abstract