Einfluss der Ernährung von Kleinkindern auf die Entwicklung einer Zöliakie

Der epidemieartige Anstieg von Zöliakie-Erkrankungen in Schweden zwischen 1984 und 1996 wurde schon mahrfach versucht, zu erklären. Wir berichteten bereits, dass man keinen Zusammenhang zu Impfungen im Kindesalter feststellen konnte.

Nun wurde die Bedeutung der Ernährung im Kindesalter untersucht. Dazu wurde in 2 Kohorten mit 12-jährigen Kindern die Zöliakie-Prävalenz bestimmt und in Zusammenhang mit der Ernährung im Kleinkindalter gebracht.

Insgesamt nahmen 13.279 Kinder aus den Geburtenkohorten von 1993 und 1997 teil, wobei der Jahrgang 1993 den „Epidemie-Zeitraum“ repräsentierte. Die Analyse erfolgte in den Jahren 2005/2006 bzw. 2009/2010.

Bestehende Zöliakie-Erkrankungen wurden abgefragt und bestätigt. Bei allen anderen Kindern wurde eine Blutuntersuchung vorgenommen. Beim Nachweis von Autoantikörpern gegen Gewebstransglutaminase und endomysiale Antigene (Bindegewebe des Muskels) wurde zur sicheren Zöliakie-Diagnose eine Biopsie durchgeführt. Die Ernährung im Kleinkindalter wurde durch Fragebögen erfasst.

Die Prävalenz für Zöliakie lag in der 1993er-Kohorte bei 29 von 1.000 und in der 1997er-Kohorte bei 22 von 1.000. Damit hatten Kinder, die im Jahr 1997 geboren wurden, ein signifikant geringeres Risiko, an Zöliakie zu erkranken.

Kinder mit dem Geburtsjahr 1993 wurden im Mittel 2 Monate kürzer gestillt (7 vs. 9 Monate). Glutenhaltige Nahrungsmittel wurden zwar in beiden Kohorten im Alter von 5 Monaten eingeführt, der Anteil der Kinder, die darüber hinaus weiter gestillt wurden, war aber in der 1997er-Kohorte signifikant höher.

Beginn und Ende der „Zöliakie-Epidemie“ ging jeweils eine Änderung der Empfehlungen für die Kleinkind-Ernährung in Schweden voraus. 1982 wurde die Empfehlung ausgesprochen, glutenhaltige Nahrung statt im vierten Monat erst im sechsten Monat einzuführen. 1996 wurde wieder die Einführung im vierten Monat empfohlen. Studien zeigen, dass die jeweiligen Ernährungs-Empfehlungen zu 70 % (während der „Epidemie“) bzw. 60 % (nach der „Epidemie“) befolgt wurden. Dies spricht dafür, dass es trotz des Fragebogen-Ergebnisses, demnach glutenhaltige Nahrung in beiden Kohorten im Alter von 5 Monaten eingeführt wurde, einen Altersunterschied bei der Gluteneinführung gegeben haben könnte. Der genaue Zeitpunkt konnte aber nach 12 Jahren unter Umständen nicht mehr richtig festgestellt werden konnte. 

Insgesamt gehen die Forscher davon aus, dass die Kombination aus der Empfehlung, Gluten frühzeitig in die Ernährung von Kindern zu integrieren, und der verlängerten Stillzeit für das reduzierte Zöliakie-Risiko verantwortlich ist.

Muttermilch fördert möglicherweise die Entwicklung einer oralen Gluten-Toleranz durch darin enthaltende immunmodulierende Faktoren oder Beeinflussung der Bakterien-Kolonisation im Darm. Außerdem führt das Stillen auch zu einem reduzierten Risiko für gastrointestinale Infektionen, welche als Risikofaktoren für Zöliakie gelten.

Glutenhaltige Lebensmittel schrittweise ab einem Alter von 4 Monaten einführen und gleichzeitig weiterhin stillen – die aktuelle Kohorten-Studie bestätigt diese Empfehlung. Sie könnte sich positiv auf die Zöliakie-Prävalenz auswirken.

Quelle: Ivarsson, A. (2013): Prevalence of childhood celiac disease and changes in infant feeding. Pediatrics, DOI: 10.1542/peds.2012-2015. http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2013/02/13/peds.2012-1015.full.pdf