Darmbakterien bieten Schutz vor Nahrungsmittelallergien

Bei einer Nahrungsmittelallergie handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Bestandteile in Lebensmitteln, die aus dem Darm in das Blut gelangen. Reaktionen der Haut, Schleimhaut, des Darms und/oder der Atemwege sind die Folge. Eine allergische Reaktion kann im schlimmsten Fall zum Atemstillstand oder zum Herzversagen führen.

Die Zahl der Nahrungsmittelallergiker hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die US-Centers for Disease Control and Prevention verzeichneten zwischen 1997 und 2007 in den Vereinigten Staaten einen Anstieg von 18 % bei Kindern. Für diese Zunahme vermuten Experten verschiedene Ursachen. Neben der genetischen Veranlagung kann auch der Zustand der Darmflora bei der Entstehung von Allergien eine wichtige Rolle spielen.

Um den Einfluss der Darmmikroben auf die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien zu untersuchen, haben Wissenschaftler verschiedene Experimente mit Mäusen durchgeführt. Behandelte man Mäuse direkt nach der Geburt mit Antibiotika, führte dies zu einer Verschlechterung ihrer Darmflora. Wurden diese Mäuse Erdnussallergenen ausgesetzt, zeigten sie eine signifikant stärkere Immunreaktion (Erdnuss-spezifisches IgG1 und IgE) als Mäuse mit einer normalen Darmflora. Eine ähnliche Reaktion verzeichneten die Wissenschaftler auch für Mäuse, die komplett steril ohne Darmflora aufgezogen wurden. Um herauszufinden, ob eine bestimmte Gruppe von Bakterien für den protektiven Effekt verantwortlich ist, wurde der Darm der Mäuse mit bestimmten Bakterien besiedelt. Die Reaktion auf Erdnussallergene fiel signifikant schwächer aus, wenn der Darm der Mäuse mit Clostridien bevölkert war. Für andere Gruppen von Darmbakterien konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden.

Weitere Experimente zeigten, dass Clostridien die Immunzellen des Darms dazu anregen, große Mengen des Botenstoffes Interleukin-22 (IL-22) freizusetzen. Dies verringert aufgrund verstärkter Schleimproduktion die Durchlässigkeit des Darms. Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigten, dass sich signifikant weniger Allergene im Blut von Mäusen mit Clostridien befanden als in Mäusen, deren Darm nicht von Clostridien besiedelt war. Die Forscher bestätigten anhand von Kontrolluntersuchungen, dass dieser Effekt auf die Ausschüttung von IL-22 zurückzuführen war.

Die Erkenntnisse der Studie machen deutlich, dass eine gesunde Darmflora auch eine schützende Funktion bei der Entwicklung von Nahrungsmittelallergien erfüllt. Inwieweit sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, sollte zukünftig weiter untersucht werden, da es bisher keine Möglichkeiten zur Heilung von Nahrungsmittelallergien gibt. Eine probiotische Therapie könnte genutzt werden, um eine geschwächte Clostridienpopulation wiederherzustellen und das Allergierisiko zu senken.

Quelle: A. T. Stefka et al., Commensal bacteria protect against food allergen sensitization, Proceedings o the National Academy of the United States of America, August 2014, http://www.pnas.org/content/111/36/13145.abstract