Weitere Trigger für Zöliakie?

Ungefähr 75 % des Proteinanteils in Weizengetreide werden zur Gruppe der Glutenproteine gezählt. Die restlichen 25 % sind Nicht-Gluten-Proteine, die sich von Gluten insbesondere durch ihre Löslichkeit in Wasser unterscheiden. Eine Reihe von Nicht-Gluten-Proteinen wurde bereits als Auslöser für eine Weizenallergie oder Bäckerasthma identifiziert. Allerdings galt diese Gruppe von Proteinen im Zusammenhang mit Zöliakie bislang als irrelevant. Bisherige Studien mit geringen Probandenzahlen lieferten hierzu keine eindeutigen Ergebnisse.

Aus diesem Grund haben Wissenschaftler der Columbia Universität in New York in einer aktuellen Studie die Immunantwort von Nicht-Gluten-Proteinen bei Zöliakie-Betroffenen untersucht. Zunächst wurden Serum-Proben von insgesamt 120 Probanden analysiert. Bei 50 dieser Probanden lag eine Zöliakie vor, 20 Patienten waren von der Hauterkrankung Dermatitis herpetiformis Duhring betroffen. Zusätzlich wurden 50 gesunde Patienten als Kontrollgruppe in die Studie eingeschlossen. Die zöliakiespezifischen Antikörper (Transglutaminase TG2 und desaminiertes Gliadin-IgA und -IgG) waren bei Probanden mit Zöliakie und Dermatitis herpetiformis Duhring signifikant höher als bei den gesunden Teilnehmern. Mit analytischen Methoden wurden die Gluten- und Nicht-Gluten-Proteine aufgereinigt und den Probanden verabreicht. Gegenüber den gesunden Probanden waren die Spiegel der Antikörper gegen Gluten- und Nicht-Gluten-Proteine bei Teilnehmern mit Zöliakie und Dermatitis herpetiformis Duhring signifikant erhöht. Dabei bewirkten die Nicht-Gluten-Proteine eine deutlich stärkere immunologische Reaktion als Gluten.

Um die allergieauslösenden Nicht-Gluten-Proteine zu identifizieren, wurden die Serumproben mittels immunologischer Laborverfahren untersucht. Das Protein Serpin löste die stärkste immunologische Antwort aus. Aber auch Moleküle wie Purinin, der α-Amylase/Protease-Inhibitor, Globulin und Farinin konnten den immunogenen Proteinen im Weizen zugewiesen werden. Bei den gesunden Probanden wurden keine Veränderungen beobachtet.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler weisen darauf hin, dass nicht nur Gluten als Trigger für Zöliakie in Frage kommen könnte. Ob strukturelle Ähnlichkeiten der verschiedenen Moleküle ursächlich für die immunologische Antwort sind, wollen die Wissenschaftler zukünftig erforschen. Unklar ist bislang noch, ob Nicht-Gluten-Proteine auch an Entzündungsreaktionen und der Schädigung der Darmschleimhaut beteiligt sind. Die neu gewonnenen Erkenntnisse könnten helfen, den Mechanismus der Erkrankung besser zu verstehen und neue Therapeutika zu entwickeln.

Quelle: S. Huebener et al.: Specific Nongluten Proteins of Wheat Are Novel Target Antigens in Celiac Disease Humoral Response, Journal of Proteome Research, Januar 2015, Volume 14, Issue 1, pp 503-511, DOI: 10.1021/pr500809b, pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/pr500809b