Ballaststoffreiche Ernährung besonders für Frauen von Vorteil

Wissenschaftler der Universität Lund untersuchten in einer Follow-up-Studie den Einfluss verschiedener Nährstoffe wie Proteine, Kohlenhydrate, Fette und Ballaststoffe auf die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen. Probanden waren Einwohner der schwedischen Stadt Malmö im Alter zwischen 44 und 73 Jahren. Voraussetzung zur Teilnahme war, dass weder eine diagnostizierte Herz-Kreislauferkrankung oder ein Diabetes mellitus vorlagen. 12.535 Frauen und 8.139 Männer nahmen an der Studie teil. Die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer wurden anhand eines detaillierten Fragebogens und eines 1-stündigen Interviews erfasst, um Aussagen über Verbrauch, Frequenz und Portionsgrößen der regelmäßig verzehrten Mahlzeiten machen zu können. Während der folgenden 13,5 Jahre entwickelten 1.089 Männer und 687 Frauen eine Herz-Kreislauferkrankung. Die Auswertung der Daten zeigte, dass Frauen mit einer hohen Ballaststoffaufnahme im Vergleich zu Frauen mit einer niedrigen Aufnahme ein um 24 % signifikant reduziertes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen aufwiesen. Bei Männern war ein solcher Zusammenhang nicht so deutlich erkennbar, aber eine hohe Ballaststoffaufnahme wurde mit einem verringerten Risiko für einen ischämischen Schlaganfall in Verbindung gebracht. Ballaststoffe zählen zu den unverdaulichen Kohlenhydraten, die vorwiegend in Getreide, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten vorkommen. Ballaststoffe quellen im Magen und führen zu einem schneller einsetzenden und länger anhaltenden Sättigungsgefühl. Zudem werden Kohlenhydrate aus ballaststoffreichen Lebensmitteln langsamer resorbiert und führen dadurch zu einem geringeren Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Für die anderen untersuchten Makronährstoffe konnten die Forscher überraschenderweise keinen signifikanten Zusammenhang feststellen. Unklar bleiben die Gründe für die geschlechterspezifischen Unterschiede, für welche die Wissenschaftler keine eindeutige Erklärung fanden. Ein Ansatz könnte sein, dass die Frauen insgesamt mehr Ballaststoffe aufnahmen als Männer. Zudem gab es unterschiedliche Hauptquellen, aus denen die Ballaststoffe stammten. Männer nahmen Ballaststoffe überwiegend aus Brot auf, wohingegen bei Frauen Früchte und Gemüse die Hauptquellen darstellten. Obst und Gemüse enthalten neben Ballaststoffen auch Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, deren Zusammenspiel komplex ist und die ebenfalls eine positive Wirkung auf die Gesundheit erzielen könnten. Allerdings wurden diese Einflüsse in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt.

Die Studienergebnisse zeigen, dass eine ballaststoffreiche Ernährung vor allem bei Frauen Effekte auf das kardiologische System ausüben könnte. Allerdings konnten keine Zusammenhänge zwischen anderen Makronährstoffen wie beispielsweise einer hohen Aufnahme an gesättigten Fettsäuren und dem Erkrankungsrisiko nachgewiesen werden. Ebenso scheint eine Trennung der Geschlechter bei der Untersuchung der Ernährungsgewohnheiten sinnvoll zu sein, auf jeden Fall wird es auch in Zukunft viel Forschungsbedarf auf diesem Gebiet geben.

Quelle: Wallström et al. (2012):Dietary fiber and saturated fat intake associations with cardiovascular disease differ by sex in the Malmö Diet and Cancer Cohort: a prospective study. Published online 2012 February 27. doi:  10.1371/journal.pone.0031637