Metabolische Erkrankungen durch schlechten Schlaf

In einer amerikanischen Studie, die 1.214 Teilnehmer im Alter von 30 bis 54 Jahren umfasste, konnte eine klare Verbindung zwischen der Schlafdauer und der Prävalenz des metabolischen Syndroms gezeigt werden. Insgesamt 22 % der Teilnehmer wiesen alle Faktoren für ein metabolisches Syndrom auf. Im Vergleich zu Menschen mit einer normalen Schlafdauer von sieben bis acht Stunden stieg die Zahl der Betroffenen bei den Kurzzeitschläfern (sechs bis sieben Stunden) maßgeblich auf 48 % und bei Menschen mit sehr kurzem Schlaf (weniger als sechs Stunden) auf

83 % an. Allerdings waren auch 81 % der Probanden erkrankt, die sehr viel schliefen (mehr als acht Stunden).

In einer weiteren sehr umfassenden Studie mit 600.000 Teilnehmern wurde darüber hinaus gezeigt, dass das Risiko von Übergewicht und Adipositas mit dem Schlafverhalten in Zusammenhang stehen könnte. Kurzzeitschläfer (weniger als fünf Stunden) zeigten im Vergleich zu Schläfern mit einer durchschnittlichen Schlafdauer (sieben bis acht Stunden) eine um 55 % gestiegene Wahrscheinlichkeit adipös zu werden.

Ein erhöhtes Risiko an Diabetes mellitus Typ 2 infolge einer kurzen Schlafdauer zu erkranken wurde in einer weiteren Studie gezeigt. Die Untersuchung von 9.000 Teilnehmern zeigte, dass Menschen, die sehr wenig schlafen (weniger als sechs Stunden), ein um 57 % höheres Risiko haben, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken im Vergleich zu Menschen mit normaler Schlafdauer.

Der Einfluss des Schlafverhaltens auf die Glukosetoleranz und Insulinsensitivität konnte in verschiedenen Studien mit gesunden Probanden dokumentiert werden. Eine auf vier Stunden begrenzte Schlafdauer oder Schlafunterbrechungen ließen die Glukosetoleranz und Insulinsensitivität signifikant sinken.

Darüber hinaus wurde gezeigt, dass die Kalorienaufnahme in Abhängigkeit zur Schlafdauer steht. Eine kurze Schlafdauer von vier Stunden erhöht die Energieaufnahme signifikant. Ungeklärt ist bislang, inwieweit der Zeitpunkt des Aufwachens einen Einfluss auf die Energieaufnahme hat. Ergebnisse einer in Schweden durchgeführten Studie zeigten ebenfalls, dass eine verkürzte Schlafdauer die Kalorienaufnahme deutlich erhöht.

Den Ergebnissen verschiedener Studien zufolge führte eine Begrenzung der Schlafdauer zu unterschiedlichen Effekten auf die körperliche Aktivität. Bei geringer Restriktion des Schlafes wurde kein erhöhter Energieumsatz verzeichnet. Eine weitere Studie, die die Auswirkungen von 24 Stunden ohne Schlaf auf den Energieumsatz untersuchte, zeigte einen gestiegenen Energieumsatz von 7 %. Die körperlichen Auswirkungen von Schlafmangel auf den Energieumsatz scheinen zusätzlich von der Tiefe des Schlafes abzuhängen.

Dass der Schlaf die Energie-Homöostase beeinflussen kann, legen die Ergebnisse experimenteller Studien nahe. In einer Studie, in der der Schlaf von Probanden vier Tage lang auf 4,5 Stunden begrenzt wurde, zeigte sich, dass die Insulinsensitivität signifikant um 16 % reduziert wurde. Eine stark verkürzte Schlafzeit, die über eine Woche einzuhalten war, hatte Auswirkungen auf den Herzrhythmus und den Metabolismus des Körpers.

In unserer Gesellschaft sind Schlafstörungen ein weit verbreitetes Problem. Die Resultate verschiedener Studien deuten darauf hin, dass das Schlafverhalten und die Schlafdauer ein wichtiger Schalter in der Prävention und möglicherweise auch in der Behandlung von metabolischen Erkrankungen ist. Die Forscher empfehlen die Schlafqualität durch Ruhe, geringe Lichtintensität und durch Vermeidung intensiver Nutzung digitaler Medien vor dem Schlafen zu erhöhen.

Quelle: S. M. Schmid et al.: The metabolic burden of sleep loss, März 2014, Lancet Diabetes Endocrinol.,Early online publication; http://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(14)70012-9/abstract