Insulin: Bald auch in Tablettenform?

Insulin ist in der Therapie von Diabetes mellitus Typ 1 und 2 häufig unerlässlich, bislang jedoch immer mit einer subkutanen Injektion verbunden. Die geringe Stabilität von Insulin im menschlichen Gastrointestinaltrakt stellte bislang das größte Problem bei der oralen Einnahme von Insulin dar. Insulin wird im Magen-Darm-Trakt abgebaut und kann schlecht von der Darmschleimhaut resorbiert werden. Für Diabetes-Patienten mit einer Nadelphobie könnte die Möglichkeit Insulin als Tablette einzunehmen eine Verbesserung der Lebensqualität darstellen. Als weiteren Vorteil sehen die Forscher, dass die orale Aufnahme von Insulin der Verwertung des körpereigenen Insulins näher kommt.

Um bei der oralen Aufnahme die enzymatische Degradierung von Insulin im Magen-Darm-Trakt zu umgehen, wurde in einer aktuellen Studie das Insulin in Liposomen gehüllt. Liposomen bestehen aus einer oder mehreren Lipiddoppelschichten und sind leicht degradierbar und biokompatibel. Da die Liposomen dennoch im Magen-Darm-Trakt zersetzt werden, wurden diese in mehrere Schutzschichten aus gegensätzlich geladenen Polyelektrolyten verpackt. Verschiedene in vitro Experimente mit Darmzellen zeigten, dass die Bioverfügbarkeit durch den Zusatz von Folsäure weiter erhöht werden kann.

Die Insulintablette wurde in verschiedenen biologischen Flüssigkeiten erfolgreich auf ihre Stabilität hin geprüft. Untersuchungen im Tiermodell zeigten, dass die entwickelte Tablette den Blutzuckerspiegel nahezu genauso gut senken konnte, wie subkutan verabreichtes Insulin. Die neue Tablette zeigte eine blutzuckersenkende Wirkung über 18 Stunden. Bei der subkutanen Verabreichung ist eine Wirkdauer von 12 Stunden zu erwarten.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Folsäurerezeptoren an der Aufnahme des Insulins beteiligt sind. Verabreichte man den Tieren zuerst Folsäure und anschließend die entwickelte Tablette, zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Hypoglykämie.

Die Entwicklung einer Insulintablette macht deutliche Fortschritte und zeigte im Tiermodell vielversprechende Ergebnisse. Um den Einsatz der patientenfreundlichen Tablette möglich zu machen, bedarf es jedoch weiterer Untersuchungen. Eine weitere Herausforderung ist es, Liposomen im großen Maßstab technologisch herzustellen.

 

Quelle: A. Agrawal et al.: Improved Stability and Antidiabetic Potential of Insulin Containing Folic Acid Functionalized Polymer Stabilized Multilayered Liposomes Following Oral Administration, <cite>Biomacromolecules</cite>, 15 January 2014, Volume 15, Issue 1, pp 350–360, pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/bm401580k