Ist die Zöliakieprävalenz bei Kindern mit Reizdarmsydrom erhöht?

Studien zufolge klagen zehn bis fünfzehn Prozent der Schulkinder über wiederkehrende Bauchschmerzen. Dabei kann Zöliakie eine Ursache sein, jedoch ist die Diagnose nicht immer ganz einfach, da die Erkrankung häufig asymptomatisch verläuft. Um Bauchschmerzen und funktionelle Störungen des menschlichen Verdauungsapparates eindeutiger zu klassifizieren, wurden die Rom-III-Konsensus-Kriterien festgelegt. Studien mit Erwachsenen haben gezeigt, dass Zöliakie vermehrt bei Patienten mit Reizdarmsyndrom auftritt. Bei Kindern wurden bisher nur wenige Untersuchungen durchgeführt. Wissenschaftler aus Italien konnten nun zeigen, dass auch Kinder, die an Reizdarmsyndrom leiden, ein viermal höheres Risiko für eine Zöliakie aufweisen als andere Kinder. Die über einen Zeitraum von sechs Jahren andauernde Studie umfasste die Untersuchung von 992 Kindern im Alter von vier bis 16 Jahren mit wiederkehrenden Bauchschmerzen. Die Klassifizierung der Symptome erfolgte entsprechend der Rome III-Kriterien. Aufgrund von anderen organischen Beschwerden oder weiteren Magen-Darm-Erkrankungen, wie Gastritis oder Laktoseintoleranz, wurden 210 Kinder von der Studie ausgeschlossen. Bei den übrigen Kindern litten 270 unter einem Reizdarmsyndrom, 201 wiesen eine funktionelle Dyspepsie (Reizmagen) auf und 311 Kinder hatten funktionelle Bauchschmerzen (ohne Ursache). Weiterführend wurde eine serologische Untersuchung von Blutproben auf zöliakiespezifische Antikörper durchgeführt. Bei positivem Befund erfolgte anschließend eine Dünndarmbiopsie.

Bei insgesamt 15 Kindern wurde Zöliakie diagnostiziert. Zwölf Kinder (4,4 %) litten ebenfalls an einem Reizdarmsyndrom. Weitere zwei Kinder (1,0 %) kamen aus der Gruppe mit funktioneller Dyspepsie und ein Kind mit Zöliakie litt unter funktionellen Bauchschmerzen (0,3 %). Laut den Ergebnissen dieser Studie ist das Risiko an Zöliakie zu erkranken bei funktioneller Dyspepsie nicht signikant höher im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Die Prävalenz von Zöliakie war unabhängig von Alter, Gewicht und Geschlecht der Kinder. In serologischen Untersuchungen zeigten auch Ernährung und biochemische Marker keinen Einfluss auf die Prävalenz von Zöliakie.

Kinder mit der Diagnose Reizdarmsyndrom haben ein viermal höheres Risiko zusätzlich an Zöliakie zu erkranken als andere Kinder. Zum Schutz vor Spätfolgen und Begleiterscheinungen empfiehlt es sich, ein Zöliakiescreening insbesondere bei Kindern mit Reizdarmsyndrom durchzuführen. Die Entwicklung von Kriterien, wie die in der aktuellen Studie verwendeten Rome III-Kriterien, ist hilfreich, um funktionelle Störungen des Gastrointestinaltrakts eindeutig zu diagnostizieren.

Quelle: F. Cristofori et al.; Increased Prevalence of Celiac Disease Among Pediatric Patients With Irritable Bowel Syndrome, Increased Prevalence of Celiac Disease Among Pediatric Patients With Irritable Bowel Syndrome: A 6-Year Prospective Cohort Study., JAMA Pediatr., April 2014, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24756157, ehead of print